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Dibre Emeth · 1866-01-01 · 9-10 (1866) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
22 (1866)
Issue
9-10 (1866)
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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ich mir selbst jetzt noch nach so viel schweren Monaten mit Befriedigung ins Gedächtniß zurückrufe, da sie mir eine vorübergehende Erleichterung von der beständigen Noth und Sorge gewährten. Die glückliche Täuschung, der ich mich hingab, wurde bei unserer Annäherung zerstreut. Seine Abyssinische Majestät hatte sich vor einigen Monaten aufgelegt gefühlt, den Stolz der Europäer (wahrscheinlich Englands und Frankreichs) zu bekriegen, oder, wie er es emphatisch nannte, zu demüthigen; aber seine große Strenge gegen die beiden weißen Gefangenen und die immer noch schwache Hoffnung auf eine günstige Antwort aus seinen Brief an die britische Regierung legten seinem wachsenden Stolze eine zeitweilige Zurückhaltung auf. Der Verzug oder, wie ich glaube, die Gewißheit keiner Antwort, und das Gesuch des Consuls, auf seinen Posten abreisen zu dürfen, zusammen mit der schlauen Einflüsterung übelgesinnter Personen, hatten ihre verderbliche Wirkung, und Captain Cameron, die Missionare und alle andern Europäer, die nicht in wirklichem Dienst Sr. Majestät standen, wurden in verächtlicher Weise verhaftet. Da ich von Allem, was vorgefallen war, Nichts wußte und die traurige, verzweifelnde Lage sah, in der sich meine Freunde befanden, sagte ich, als ob ich die Frage nach der eigentlichen Ursache fürchtete: „Was hat das Alles zu bedeuten?" Herr Fl ad antwortete mit einer erzwungenen Ruhe: „Wir sind alle Gefangene und im Begriff gefesselt zu werden." Die Handschellen wurden auch in der That sogleich gebracht und unter der Leitung Baschee Olasch’s (der jetzt in Fesseln zu Magdala liegt), um die Gelenke der Angeklagten fest gehämmert. Die Gewohnheit, immer einen Gefangenen an einen Soldaten zu fesseln, wurde jetzt nicht streng befolgt; man hielt es für - sicher genug, daß zwei Weiße an einen Schwarzen gefesselt wurden, und ich und Rosenthal, die wir als harmlose Verbrecher angesehen wurden, wurden auf Befehl des Oberbeamten bloß an einander gekettet. Als der Abend herankam nahm eine starke Wache ihren Platz in dem Zelte und um dasselbe, die, als ob sie die Geschicklichkeit der weißen Leute in Zersprengung der Fesseln und im Gebrauche mächtiger Zaubersprüche zur Durchbrechung unüberfteigbarer Barrikaden argwöhnte, unsere geringsten Bewegungen mit nervösem Zittern über-

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