Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 9-10 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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den Missionaren) und daß wir wahrscheinlich würden frei gelassen werden. Auf einem Meere von Mühe und Angst herum geworfen, verfehlte eine Nachricht dieser Art, selbst von den Lippen eines Abyssiniers nicht, unfern niedergedrückten Lebensgeist zu neuem Muth und Vertrauen zu erwecken. Gegen Mittag kam unser grausamer Gefängnißwärter in athemloser Eile in unser Zelt gelaufen und befahl, nachdem er sich überzeugt hatte, daß Alles in Ordnung sei, im Namen Seiner Majestät einer Abtheilung Truppen, einen wichtigen Befehl auszuführen. Ich verstand den Auftrag nicht; aber die Pünklichkeit, mit welcher sie alle hervortraten, überzeugte mich, daß sie beauftragt waren, einen Gefangenen in Verhaft zu nehmen, oder Eigenthum mit Beschlag zu belegen.*) Später machte unser gefürchteter Jaques Obey nochmals seine Erscheinung und befahl uns in einem gebieterischen Tone, ihm zum Könige zu folgen. Als wir das Zelt verließen, sagte Rosenthal zu mir: „Was meinen Sie, daß diese Vorladung bedeute?" „An einem Sonntage, erwiederte ich, haben wir nicht nöthig, etwas Schlimmes zu befürchten." Eine Gruppe neugieriger Müßiggänger folgte uns bis innerhalb des Geheges, welches das königliche Lager von dem der Truppen trennte. Eine zweite verpallisadirte Umzäunung auf einer kleinen Erhöhung, mit weißen und schwarzen Zelten bedeckt, zeigte uns die Wohnstätte Seiner Majestät und seinen königlichen Haushalt. Wir glaubten, daß wir zu der geschäftigen Anhöhe hin geführt werden würden, wo wir vor einigen Wochen die traurige Zusammenkunft hatten; aber anstatt dessen führten uns unsere Wächter zu einem weißen Zelte zur Linken, das bedeutungsvoll gegenüber eines Walles stand, auf welchem zwei 4Pfünder auf elenden Gestellen ihre unpolirten, broncenen Schlünde zeigten. Eine Menge zerlumpter Teppiche bedeckten den ganzen Raum zwischen diesen groben Geschützstücken und dem Zelte, — eine Schau königlicher Pracht, die ganz ungewöhnlich ist außer an großen Gallatagen. Unsere aufgeregte Einbildungskraft schwärmte sogleich in allen Arten angenehmer Muthmaßungen, welche *) Nachträglich erfuhren wir, daß sie nach Gondar gesandt worden wären, nm des Consuls Leute in Verhaft zu nehmen, und das Eigenthum in seinem Hause, wie auch Alles in der zeitweiligen Behausung der Fran Rosenthal und Frau Flad wegzunehmen.