Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 9-10 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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wachte. Die dunklen Schatten der Nacht hatten bereits alle Gegenstände in ihren düstern Mantel gehüllt, als Samuel in unser Gefängniß trat und in den sanftesten Ausdrücken , die aber von dem Lächeln der Genugthuung, das aufseinen starken Zügen lag, Lügen gestraft wurden, fragte, ob Kapital» Cameron auch sein Bett und die gewohnte Bequemlichkeit habe. Er war auch so gütig, mich mit einem solchen Blicke zu beglücken und bemerkte so nebenbei: „Ich hoffe, daß Sie jetzt in Gesellschaft von Freunden glücklicher sein werden, als in Ihrer früheren abgesonderten Lage." Er befreite uns von einigen Wache habenden Personen, welche auf eine höchst unangenehme Weise das Zelt füllten, und schlich sich dann ruhig davon, indem er uns ein Ezziobeher asfatachon „möge Gott Euch erretten" wünschte. Am andern Tage kam die Bedienung unserer Mitgefangenen, welche im ersten Schreck das Gebüsch gesucht hatten, nachdem sie bessere Nachricht erhalten hatten, wieder einzeln nach Gondar zurück, von wo einige ihren Weg zu ihren eingekerkerten Herrn fanden. Man sollte meinen, daß die bisher erfolgte Vergeltung für eine eingebildete Beleidigung einen empfindlicheren Herrscher, als „den Nachfolger Salomos," befriedigt haben würde; aber Ketten allein wurden noch nicht für befriedigend gehalten, sondern die wenigen hülstosen Fremden mußten auch noch ihres Eigenthums beraubt werden. Bei diesem ruhmwürdigen, dem Geschmacke der königlichen Landstreicher so angemeffenem Unternehmen wurde das herzloseste Verfahren zur Schau getragen. In den offenen Zelten des Consuls und der Missionare im Lager, wo sie einige Wochen Gefangene ohne Ketten gewesen waren, nahmen sie Alles, was entweder von Werth oder Nutzen war; aber ihre Tapferkeit konnte in der Wohnung der Madam Fl ad und Madam Rose n°thal in Gondar solche Helbenthaten nicht ohne Widerstand vollbringen. Diese Damen, welche fast bis zum Wahnsinn erregt waren, boten den feigen Versuchen der Räuber heroisch Trotz, welche sie und ihre hilflosen Kinder der nöthigen Speise und Kleidung berauben wollten. Madam Flad zeichnete sich bei dem Kampfe mit den undisciplinirten Wilden besonders aus. „Geht, und sagt zu eurem Könige," sagte sie mit Nachdruck zu dem Führer der Bande, „daß wir schwache unterdrückte Frauen sind, doch wenn er uns zu tödten wünscht,