Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 9-10 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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156 wie Auszüge aus einem Briefe des Herrn Missionar Rosenthal über die Leiden der Gefangenen in Abyssinien enthält, als die Briefe sind, die wir unfern Lesern in Nr. 5 bis 8 mitgetheilt haben. Wir laffen nun auch diese Briefe noch folgen , die gewiß mit großer Theilnahme und großem Interesse werden gelesen werden. Brief von Herrn Prediger H. A. Stern. Gefängniß Amba Magdala den 9. August 1865. Meine theure Charlotte! Bedrückung und Tyrannei, Mühseligkeiten und Leiden hatten bereits die Kräfte der Allsdauer bis aufs äußerste erprobt, und das Gemüth sing beinahe unwillkürlich an, vor dem Gedanken des Beginns eines neuen unbestimmten Zeitabschnittes herzzerreißenden und herzverzehrenden Märtyrerthums zurück zu schaudern. In dieser hülflosen Lage würde die geängstete Seele in gänzliche Verzweiflung versunken sein, wenn mir nicht eine leise, sanfte Stimme zugeffüstert hätte: denke an Gothsemane und an das Kreuz, da findest du ein Gegenmittel gegen den bittern Kelch, den du nach deines himmlischen Vaters Wohlgefallen trinken sollst. Solche Gedanken, die nicht aus dem Rachtstudium einer krankhaften Sentimentalität entsprungen, beschäftigten beständig mein Gemüth und stärkten mich für jede Art von Grausamkeü und Tod, welche mir rohe Gewalt auferlegen könnte. Beinahe drei Monate von ungemilderten Schrecken waren schon über mich ergangen , und gegen sieben Wochen über meine Mitgefangene. Während dieser langen traurigen Zeit wurden wir gelegentlich durch die belebende Aussicht auf Erlösung und Freiheit erquickt; aber auf diese kurzen Zwischenräume von Hoffnung und Freude folgte unglücklicherweise jedes Mal die Rückkehr der Fluth neuer Sorgen und Aengsten. So verging langsam ein Tag nach dem andern in beinahe unverändertem Elende. Weihnachten war vergangen, das Neujahr war herbcigekommen; aber die Stunde der Freiheit blieb unerbittlich aus. Am Sonntag Morgen, dem 3. Januar 1864, berichteten uns einige von unsem Wächtern mit anhaltendem Athem, daß der Negus Botschaft sende und Botschaft wünsche von den „Frenchusch," (dem Consul und