Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 7-8 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554749-2554754--04566-2560498- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
124 Herr geholfen/' und werden ihn für seine wunderbaren Führungen der Menschenkinder preisen. Ich füge nur Einiges hinzu, was mehr speziell meine Frau und mich selbst betrifft, da Herr Stern Alles beschrieben hat, was ihn betrifft bis zur Zeit seiner Festnahme nnd unseres gemeinschaftlichen Gefängnisses. Von der Zeit an war unser Loos ein und dasselbe, so daß ich Euch auf seinen Brief verweisen kann. Nach der Einkerkerung Herrn Stern's war ich in beständiger Furcht, daß auch mir etwas Widriges begegnen möchte, weil ich ihm einige Briefe zur Weiterbeförderung mitgegeben hatte, unser» Bericht an die Gesellschaft, Schilderungen des Wesens und der Aussichten unseres Werkes an verschiedene Freunde, um sie für unsere Sache zu intereffiren, und eine Beschreibung unserer Reise von der Küste bis ins Innere, und eines sechsmonatlichen Aufenthalts im Lande, dem einige persönliche Bemerkungen hinzugefügt waren. Unsere Angst war, wie es sich bald zeigte, nur zu gerechtfertigt. Am 5. November 1863 wurden wir gefangen genommen; unsere Thiere, Getreide für die folgenden Monate, Kleider, Bücher, Medizin, Geld, kurz Alles, was wir hatten, wurde genommen und wir waren für die nächsten drei Tage in unserm eigenen Hause einer Menge von Beschimpfungen, Ungebührlichkeiten und des Mangels unterworfen. Unsere Dienstboten wurden angetrieben, Tag und Nacht zu mahlen und zu backen, und trotzdem mußten wir beinahe aus Mangel eines Stückes Brods verhungern. Einige Zeit nach diesem Ereigniß wurden die Sachen meiner Frau zurückgcgeben, aber nur daß sie dann wieder genommen würden, und sie und unser Kind wurden auch gänzlich ohne Kleider gelaffen. Als wir nach Gondar kamen, wurde ich an Händen und Füßen gefesselt und in ein Zelt gesteckt, das von dem meiner Frau getrennt war. Beide waren bis zum Uebermaße mit Soldaten gefüllt, und meine Frau wurde genöthigt weinend zu flehen, daß ihr erlaubt werde, zwei Dienstmädchen an ihrer Seite schlafen zu lassen. Am folgenden Freitage (den 20. November 1863) wurden meine Fesseln abgenommen, und ich hoffte fteudig auf gänzliche Befreiung; aberdenkt Euch meine Ueberraschung und Täuschung, als ich statt dessen