Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 7-8 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554749-2554754--04565-2560497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Theure Mutter und Verwandte! Ihr werdet ohne Zweifel binnen Kurzem von einem Briefe von Herrn Prediger Stern hören, in welchem er eine Skizze von den Leiden giebt, denen wir seit der Ankunft in diesem Lande unter-- worfen gewesen sind, mit den Umständen, welche sie herbeiführten, um übelgesinnte Leute daran zu verhindern, den Lauf seiner Handlungen hier zu entstellen. Obgleich die Geschichte seiner Leiden, die der unsrig en in sich schließt mit Ausnahme der Züchtigungen, die er früher erhielt; allein, da meine Frau und das Kind unser Loos zum Theil auf der einen Seite mit uns theilten, und auf der andern Seite gegen zwei Monate von mir getrennt wurden, während welcher Zeit ich weder von ihnen noch über sie etwas hörte, so könnt ihr leicht denken, daß diese Beraubung meine Sorge und Angst noch außerordentlich vermehrte. Ich habe Euch aus Gründen, die zu klar sind, um einer weitern Erklärung zu bedürfen, bis jetzt nicht geschrieben, und mein gegenwärtiges Schreiben hat nur den Zweck, Zeugniß von der Güte und der beschützenden Fürsorge des himmlischen Vaters abzulegen, der unter den mannigfachen Prüfungen uns nicht hat unterliegen oder unfern Glauben aufhören lassen. An unserm Hochzeitstage erinnerte uns Herr Prediger Goodhart an die köstliche Verheißung und gab sie uns als ein Motto mit: „Wie Dein Tag so soll auch Deine Kraft sein," und Er, in dem Ja und Amen ist, ist auch in dem, was er verheißen hat, treu gewesen, so daß wir gute Hoffnung haben zu unserm Herrn Jesus Christus, der uns aus sechs Trübsalen errettet hat, daß uns die siebente nicht treffen wird. Faßt daher guten Muth, laßt gläubige Gebete zu dem Throne der Herrlichkeit aufsteigen , vertrauet fest, daß Gott zu seiner Zeit unsere gemeinschaftlichen Gebete erhören wird, und dann hoffet zuversichtlich, daß es uns bald gestattet sein wird, unsere Erfahrungen Euch zu erzählen und mit ihnen unser Wachsthum am inner» Leben, unser Leiden mit seinem heiligenden Einflüsse und die Geschichte unserer Gefangenschaft, welche dazu diente, uns um so gewisser die Freiheit zu verleihen, womit der Sohn frei macht. Wir werden dann unser Ebenezer mit einander aufrichten und sagen: „Bis hierher hat der