Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 7-8 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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115 bald in Schubkarren, die theils von Segeln getrieben wurden, weiter fort. Am 9. December 1850 kamen sie in Kaefongfoo an. Wie man ihnen auf ihrer Reise gerathen hatte, gingen sie durch das östliche Thor der Stadt, in den Theil derselben, wo die Synagoge der Juden ist. Hier mitten unter einer Bevölkerung, von der zwei drittel Muhamedaner sind, und nahebei dem heldischen Tempel, welcher dem Gotte des Feuers geweiht ist, erhielten sich die Träger der göttlichen Aussprüche und leben fort als einsame Zeugen der vergangenen Herrlichkeit ihres Volks, gesunken bis auf die unterste Stufe der Erniedrigung und Armuth, jeder Art der Leiden und der Schmach unterworfen, einer Religion dienend, die kaum mehr als ein Name, aber doch hinreichend ist, sie von den Heiden um sie herum zu unterscheiden. Man fand, daß kein einziger Jude die hebräische Schrift lesen konnte, obschon sie die hebräischen Buchstaben kannten. Seit dem Tode ihres letzten Rabbiners, der vor etwa fünfzig Jahren erfolgte, war die Kenntniß des Hebräischen ihnen gänzlich abhanden gekommen. Ein wohlmeinender englischer Consul auf einer der chinesischen Stationen hatte einige Jahre vorher einen Brief an sie gesandt, in dem er sie bat, ihm eine Anzahl hebräischer Manuscripte abzulassen. Dieser Brief hätte der kleinen Gemeinde beinahe zum Verderben gereicht; er brachte ihre Stellung zu den Behörden in Gefahr, welche sie beschuldigten mit den Fremden in verrätherischer Correspondenz zu stehen. Glücklicher Weise hatten die eingebornen Christen einen hebräischen Brief bei sich, den drei jüdische Kaufleute aus Bagdad an sie geschrieben hatten, die aber damals in Schanghai lebten; und obschon die Juden in Kaefungfoo den Brief nicht lesen konnten, so erkannten sie doch, daß er in denselben Buchstaben geschrieben sei, wie ihre heiligen Schriften, und die Ueberbringer desselben wurden sofort von der kleinen Gemeinde freundlich ausgenommen. Unsere Boten kehrten zurück; sie hatten mehrere Inschriften an den Mauern der Synagoge abgeschrieben und brachten mehrere Manuscripte mit, von denen ich die Eine oder vielmehr ein Fac- Simile davon, hier in meiner Hand halte. Da wir gehört hatten, daß sie im Besitz gewisser Bücher wären und besonders von zwölf Exemplaren ihres heiligen Gesetzes, welche sie in einer Art Schrank bewahrten, so entschlossen wir uns eine zweite Gesandtschaft 8*