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Dibre Emeth · 1866-01-01 · 5-6 (1866) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
22 (1866)
Issue
5-6 (1866)
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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95 warfen wurden. Als wir näher gerufen wurden, sagte Se. Majestät mit Bezug auf einen Ausdruck, der mir unbedachtsamer Weise entschlüpft war, ironisch: „Fürchten sie sich jetzt?" Wir antworteten hierauf nicht, sondern übergaben uns ruhig dem, der zu aller Zeit die Hülfe seiner Knechte in der Roth ist. Se. Majestät, fragte dann gebieterisch, warum wir ihn beschimpft hätten? Unerschrocken, aber mit Ehrerbietung antwortete ich: „Es ist nicht unsere Absicht gewesen, Ew. Majestät zu beschimpfen, noch haben wir ein Wort in der Sprache dieses Landes geschrieben, wenn wir aber unrecht gethan haben, so flehen wir demüthig zu Ew. Majestät um Gnade." Samuel, welcher den Dolmetscher machte, hatte diesen Ausspruch noch nicht ganz übersetzt, als der König befahl, uns Schamaö und Hemde auszuziehen. Elend und jämmerlich, mit einem bloßen Lappen um beit Leib, wurden wir zurück in unser Gefängniß geführt. Unsere Wache berieth sich nun, ob sie uns draußen unter freiem Himmel liegen lassen, oder erlauben sollte, das Zelt wieder einzunehmen. Die Furcht, daß wir entfliehen möchten, veranlaßte sie, uns unsern alten Platz wieder anzuweisen, wo wir auf bloßer Erde liegend zwölf unvergeßliche Stunden zubringen mußten. Die Nacht war kalt und frostig — traurig und düster erschien der Anbruch des Tages. Unser Oberkerkermeister, der zum Könige gegangen war, kam nach ungefähr zwei Stunden zurück; aber anstatt uns zum Richtplatz zu führen, wie wir alle Ursache hatten zu glauben, brachte er für jeden einen zerrissenen Lappen und befahl, uns etwas Brod und Wasser zu geben. Spott, aber nicht Freilassung, war nicht geeignet, unsere Last zu erleichtern und die geistigen und leiblichen Leiden zu mildern. Ein junger Eingeborner, der in Diensten des Herrn Flad war, kam gelegentlich, begleitet von einem freundlichen Soldaten, vor die Thür unseres Zeltes und gab uns durch Zeichen zu verstehen, daß wir bald befreit werden würden. Unsere Wächter hielten auch mit ihren Gewaltthaten inne, und Einige von ihnen wurden sogar höflich und mittheilend. Wir hörten nun von allen Seiten, daß unser Leben in der größten Gefahr gewesen sei, ja es wurde uns versichert, daß an dem Tage, an welchem uns der König der Kleider berauben

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