Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 5-6 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Zelt, und nachdem er mich eine Weile wie ein Basilisk beobachtet hatte, rief er: „hätte ich ein Schwert, so würde ich diesen Hunden den Kopf abhauen", und nachdem er darauf eine Pause gemacht, sprang er herbei, schleppte mich an der Kette den Boden entlang und fing an unter einem Schauer der verächtlichsten Ausdrücke meine Fesseln fest zu hämmern. Da Rosenthal Sklavenketten trug, so konnte er dessen Folter nicht vergrößern, und so entließ er ihn mit der Bemerkung, daß er wegen eines Andern ein Baal makerah, das ist, ein Mitdulder sei. Diese qualvollen Scenen zerrissen das Herz und machten den Tod erwünschter als das Leben. Am nächsten Morgen (Dienstag den 24. Novbr. 1863) kamen Samuel und ein Officier in unser Gefängniß und versprachen mir im Namen Sr. Majestät Vergebung und Gunstbezeugungen, wenn ich das Bekenntniß ablegte, daß ich durch die Familie der.Frau Ras Ubes, eines der größten Männer im Lande, die Nachricht von der Abstammung des Königs erhalten hätte. Ich wies jede, sowohl directe als indirecte Bekanntschaft mit dieser Familie bittend ab, und meine Peiniger zogen mit unzuftiedener und ärgerlicher Laune ab. Nun schlich sich eine Ruhe in unser Zelt gleich der Stille der Elemente vor dem Ausbruche eines Sturmes. Wir schrieben dies der Ankunft des ungeduldig erwarteten Briefes von der britischen Regierung zu, eine Nachricht, die uns ganz zufälliger Weise zukam. Jeder Tag, wenn auch im Elende von Lebenslanger Dauer, hat seine Veränderungen und fügt seinen Abschnitt zu dem Vergangenen. Dies erfuhren wir trauriger Weise hinlänglich in unserm Gefängnisse, wo sogar Minuten zu Zeitperioden des traurigen Daseins wurden. Endlich brach der denkwürdige vierte Dezember (Freitag 1863) mit gewohnter Klarheit über die Traurigen und über die Glücklichen, über die Gefangenen und über die Freien herein. Gegen Mittag dieses Tages wurden wir unserer Fesseln entledigt und von einem Detaschement Soldaten geführt vor den König gebracht. Se. Majestät war bei unserer Ankunft mit Vollziehung des Rechts beschäftigt, und wir mußten zwei Stunden lang neben den Angeklagten stehen, welche der furchtbaren Strafe der Giraffe unter-