Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 5-6 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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96 ließ, die Schwerter zur Abhauuug unserer Hände und Füffe in Wirklichkeit nahe an dem Orte lagen, wo wir standen, und daß die grausame That nur durch die energischen Vorstellungen und Fürbitte des Oberhauptes der Mönche verhindert worden sei. So beinahe wunderbar von Verstümmelung und einem schrecklichen Tode befreit, schüttelten wir die erdrückende Schwermuth, welche uns fast unserer Sinne beraubt hatte, von uns ab, und begannen von Neuem im Gebete die Hoffnung auf Freiheit und Errettung zu nähren. Es verfloffen wieder fünfzehn Tage der Mühe und erschöpfenden Angst. Ich erinnere mich nicht des Datums, aber es war an einem regnigten und trüben Morgen, als unsere Zeltthüre geöffnet wurde und zu unserm Erstaunen sowohl wie zu unserer Freude Fl ad, Samuel und Mehrere von den Leuten des Bischofs und des Königs eintraten. Da mein Leib fast in doppelter Weise gefesselt war, so bat mich Flad in sanfter Weise, nicht aufzustehn, wie es bei dem Empfange einer königlichen Botschaft Sitte ist, sondern sagte mir einfach, daß Se. Majestät wünschte, daß ich ihm den genauen Preis von gewissen Seidenstoffen angeben möchte, die ihm von dem Metropolitan überreicht worden seien.*) Nachdenr ich die Abschätzung vollzogen hatte, was ich leicht thun konnte, da die meisten Stoffe von mir in England gekauft worden waren, befahl mir Samuel aufzustehen, und sagte mir dann, daß es des Königs Abstcht gewesen sei, mich zu tödten, daß eS Gott aber verhindert hätte, und daß ich nun die Mittel in der Hand hätte, die Gunst des Königs wieder zu erlangen, wenn ich Herrn Flad, der im Begriffe stehe nach Europa zu gehen, mit Briefen versehe, um Maschinen und einen oder zwei Verfertiger von Schießpulver zu besorgen. Bei der Rückkehr des Herrn Flad würde mir Se. Majestät auch erlauben, Abyssinien zu verlassen und zwar mit Geschenken beladen und mit einem, in Afrika und Europa berühmten Namen. In der Zwischenzeit würde mich Se. Majestät in Freiheit setzen und mir Beschäftigung geben, für ihn photographische Skizzen aufzunehmen. Ich war geneigt, gegen alle diese Vorschläge Einwendungen zu machen; es wurde mir aber gerathen, ihnen meine Zustimmung zu geben. (Schluß folgt.) *) Der Bischof schenkte dem Könige aus freien Stücken Stoffe von besonderem Werthe, da er hoffte dadurch seine Gunst zu erlangen und meine Freiheit zu befördern. In Commission: Carl Dülfer's Buchhandlung in Breslau. Druck von C. H. Storch und Comp, in Breslau.