Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 5-6 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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keinen guten Rathgeber gehabt hätte, — daß verschiedene Provinzen und auch Genda geplündert worden wären — und endlich, daß ich beim Vorübergehen an einem Orte, wo sieben oder achthundert Menschenschädel in' den Strahlen der Sonne bleichend lagen, in mein Tagebuch die Bemerkung geschrieben hätte, daß sie mit kaltem Blute gemordet worden wären. Die einzige anstößige Notiz in meinem Buche, wovon ich unglücklicher Weise ein Exemplar bei mir hatte, war die Herkunft Sr. Majestät, und das letzte schwere Verbrechen bestand darin, daß ich einige harmlose und höfliche Noten von dem Metropolitan hatte. Rosenthals Verbrechen, welche mir zur Last gelegt wurden, obschon ich bis dahin nicht ein Wort wußte von dem, was er geschrieben hatte, bestanden in einigen Bemerkungen, die er in einem Briefe an einen Verwandten in London über das Privatleben des Königs gemacht hatte. Selbst Frau Flad wurde vor diesen königlichen Gerichtshof gefordert, und das in der Thal deswegen, weil sie mir vor Jahr und Tag eine Note schrieb, die ich sorgloser Weise unter andere Papiere geworfen hatte. Ihr wurde sofort wegen ihres Mannes verziehen; wir aber, ich und Herr Rosenthal, wurden einstimmig für schuldig erklärt, ohngeachtet alles dessen, was ich gegen die Bosheit und die offenbaren Verdrehungen in den Uebersetzungen geltend machte. Da ich mir aus Erfahrung vollkommen bewußt war, was das Urtheil enthielt, so berief ich mich auf Samuel, und bat ihn dringend, daß er den König um Gnade für mich bitten möchte. Anfangs beliebte es ihm nicht, mir eine Antwort zu geben, als ich aber die Bitte wiederholte, antwortete er ärgerlich: „Morgen, morgen." Der König gab nun mit seiner Hand ein Zeichen, und wir beide, Rosenthal und ich, wurden in unser gemeinschaftliches Zeltgefängniß abgeführt. Unsere Füße wurden an diesem Tage wieder in Ketten gelegt, und der Glaube hatte wieder seine ganze Kraft aufzubieten, und aus der umringenden Verzweiflung seine Zuflucht in die Arme der Allmacht zu nehmen. Am Freitage (den 23. Rovb.) wurde das Urtheil gefällt, und alle meine Sachen wurden zum letzten Male zu dem Könige gebracht. An demselben Abend taumelte Jaque Obey, unser Kerkermeister, halb betrunken in unser