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Dibre Emeth · 1866-01-01 · 5-6 (1866) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
22 (1866)
Issue
5-6 (1866)
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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91 dieser furchtbaren Wache, legten doch Einige von ihnen während der Nacht ihre Beine kreuzweis über meine erstarrten Glieder, um, wie sie gemeint haben müssen, eine wunderbare Flucht zu verhindern. Kein Fremder durste sich meinem Zelte nähern. Ein Bedienter der Obersoldaten buk dann und wann einige geschmacklose Kuchen für mich und brachte mir eine Lederflasche mit Wasser. Einer von der Wache, dessen Gunst ich erlangt hatte, sagte mir, daß ich in Gondar einen Feind hätte, und indem er seine Finger knackte rief er aus: „Wir sind alle Staub und müssen sterben". Am Dienstag Abend, (den 10. Novbr. 1863) wurde ich, wie gesagt, an Händen und Füßen gefesselt und am folgenden Montage (den 16. November) hörte ich von einem Abgesandten des Königs, daß alle Missionsagenten in Ketten in das Lager gebracht worden wären. Später wurde mir mitgetheilt, daß sie wieder frei gelassen seien, dann, daß der Eine noch in Fesseln liege und endlich sandte mir, um die Verwirmng voll zu machen, Mons. Makerer, ein Bedienter des britischen Consuls, durch einen Soldaten die Nachricht zu, daß der lang ersehnte Brief von der britischen Regierung in zwei Tagen anlangen würde, und daß ich am Freitage (den 20. Novbr.) befreit werden würde. Secunden wurden zu Minuten und Minuten zu Stunden, und endlich kam der Freitag heran. Ich hatte bereits das Vertrauen in die Botschaften verloren, aber früh an diesem Morgen wurden zu meiner angenehmen Ueberraschung und Dankbarkeit die Fußschellen gelöst. Weniger als gewöhnlich bewacht, saß ich in meinem Zelt-Gefängniß und sann im Gebete nach über mein künftiges Schicksal. Gegen Mittag kam mein wilder Häuptling lustig in das Zelt marschirt und befahl mir, daß ich ihm zu Sr. Majestät folgen sollte. Ich folgte sofort seinem Befehle, aber anstatt einer Privat-Zusammenkunft mit dem Monarchen fand ich die ganze Armee auf einem Platze aufgestellt, an deren äußersten Spitze eine Art Thron stand, auf welchem der König saß, von ungeheuren seidenen Schirmen beschattet. Zur Linken Sr. Majestät bemerkte ich die Herrn Bardel und Zander, und zu seiner Rechten ein Heer von Priestern

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