Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 5-6 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Samaritaner die Wunden, und brachten mir Milch in Ueberfluß, das einzige Nahrungsmittel, das meine entzündeten Lippen und mein Gaumen mir erlaubten hinunterzuschlucken. Mittags wurden meine Bedienten, streng bewacht, zu meinem zeitweiligen Gefängniß gebracht, und niemals werde ich das Geschrei, die Klagen und das todespeinliche Winden vergessen, das der Anblick ihres gepeinigten Herrn hervorrief. Es war Befehl gegeben worden, daß ich an Händen und Füßen gefesselt werden sollte; da aber meine Knöchel für das Anlegen der Schellen zu entzündet waren, so überging man den königlichen Befehl und band mir meine linke Hand.an meinen rechten Fußknöchel. Am nächsten Tage kam eine Abtheilung Soldaten, um mich und meine Bedienung nach Gondar zu bringen. Nun wurde ich wie ein gewöhnlicher Verbrecher behandelt; meine Lage war in der That so peinlich und mein physisches Leiden so groß, daß ich den Tod als eine erwünschte Erlösung daraus ansah. Die schreckliche Lage, in die ich gebracht war, machte sogar die steinharten Herzen meiner Wächter weich, die mir, Worte des Trostes und der Hoffnung zuflüfternd, sagten, daß meine innige Freundschaft init dem Bischof und das Gerücht, daß er mir und dem britischen Consul die Ländereien der Kirche verkauft habe, die Ursache meines Unglücks seien, und daß es mir übler bekommen sein möchte, wenn ich vor dem königlichen Lager vorüber gereist wäre ohne anzuhalten, da Vorbereitungen getroffen gewesen wären, mich fest zu nehmen. Blutverlust und Mangel an Nahrung, außer einigen harten Zwiebäcken, brachten eine Schwermuth und Geistesniedergeschlagenheit hervor, welche die Sprache nicht bezeichnen kann. Am vierten Tage, wie ich glaube, (am Sonnabend, den 17. Okt.) kamen Herr Flad, Herr Bardel, Samuel und zwei Beamte des königlichen Haushalts, um meine Sachen zu untersuchen, da man mich im Verdacht hatte, daß ich Briefe vom Bischof, oder Capt. Cameron bei mir hätte. Meine photographischen Skizzen und eine gut geordnete Sammlung von Insekten nahmen ihre ganze Neugierde in Anspruch, und ihre Untersuchung bewies sich als ein Poffenspiel.