Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 5-6 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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87 reisen ohne seine Majestät begrüßt zu haben. Dies veranlaßte mich, Halt zu machen, und gegen Nachmittag ging ich von zwei Dienern begleitet, von Denen der Eine Etwas arabisch sprach, zu dem königlichen Lagerplatze. Nachdem ich etwa zwei Stunden gewartet hatte, kam Se. Majestät hinaus ins Freie. Ich und meine Begleiter machten sogleich eine höchst demüthige Verbeugung. Auf dem Gesichte des Königs lag ein finster;i Blick, der nichts Gutes verkündigte. Zwischen der ersten Frage? und dem Tode meiner beiden Diener konnten kaum zehn Minu- }\ ten liegen. Die Düsternheit der herannahenden Nacht, das Gey raffet der Stöcke und mein eigenes zweifelhaftes Schicksal ver- / anlaßten mich mechanisch meine Hand auf meine Lippen zu legen, oder, wie man sagt, einen Finger in den Mund zu stecken. i Dies wurde als ein Verbrechen ausgelegt, und in kürzerer Zeit, als ich diese Worte schreibe, war ich entkleidet, geschlagen und lag beinahe leblos auf dem Boden. Verwundet, zerschlagen und j'i blutend schleppten oder vielmehr trieben mich meine Peiniger den - Hügel hinab, wo mein geschwollenes Handgelenk mit einer Handy schelle und einer Kette an den Arm eines Soldaten befestigt wurde. Mein Wächter versuchte, von Mitleid bewegt, das Blut, das aus mehr denn zwanzig Wunden und Narben reichlich hervorquoll, mit frischem Grase zu stillen; aber da er seine Bemühung nutzlos fand, hüllte er sich in sein Schama und fiel mit meiner geisterhaften Gestalt, die an ihn gefesselt war, in Schlaf. Auch ich sank einige Male in eine fieberhafte Betäubung und ach! wie gern würde ich die lästigen Stunden der Nacht in Vergessenheit hingebracht haben, hätte mir nicht der beständige Lauf des Blutes aus Mund und Hals diese Gunst versagt. In Seufzen, Stöhnen und peinigenden Todesqualen verging die Nacht langsam, und die herrlichen Sterne, unbewußt des menschlichen Wehs, glänzten in gewohnter Pracht am östlichen Horizonte. Bei Tagesanbruch wurde ich der Obhut verschiedener Häuptlinge übergeben, während der König nach Gondar aufbrach. Die Dorfbewohner, wie auch meine Wächter zeig- ' ten viel Mitleid mit mir, und wuschen mir gleich dem guten "i