Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 5-6 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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85 Augen der Wache auf mich zu ziehen, daher will ich einfach die Hauptpunkte niederschreiben, die mit meiner eigenen und meiner Mitgefangenen peinlichen Geschichte zusammenhängen. Du weißt, daß ich zu Anfang April 1863 in Abyssinien anlangte. Unsere Mission war damals, obschon in ihrem Wirkungskreise beschränkt, höchst blühend, und trotz der Hindernisse nährte ich die seligsten Hoffnungen für die Zukunft. Im Juni kam Capitain Camero n, Ihrer britischen Majestät Consul, zum zweiten Male auf unserer Station in Genda an. Der König, der in einiger Entfernung verweilte, kam auch ganz zufällig in unsere Nachbarschaft. Während seines Aufenthalts in unserer Nähe, hörte ich zu verschiedenen Malen, daß er darüber ärgerlich sei, daß Capt. Cameron keine Antwort auf seinen Brief an die britische Regierung gebracht hatte, wie auch, daß er die Grenze umgangen wäre und, wie es fälschlich dargestellt wurde, mit seinen Feinden, den Türken, nachtheilige Freundschaft geschlossen habe. Gegen uns und unsere Mission hörte ich auch ungünstige Berichte, und da ich wußtedaß die Priester uns und unserm Werke entgegen waren, so theilte ich meine Befürchtungen meinen Mitarbeitern mit, und wir kamen überein, keine andre Ausgabe zu machen, als die, welche zur Unterhaltung der Schulen, der Schriftvorleser und der ausgedehnten Verbreitung des Wortes Gottes durchaus nöthig sei. Da ich keine Gewaltthätigkeit oder gewaltsame Zurückhaltung, selbst nicht unter den widrigsten Umständen erwartete, so besuchte ich die Falaschas in verschiedenen Distrikten und machte mich zu Ende August von Cornelius begleitet, auf den Weg nach Armatgioho, einer Provinz, von vielen Falaschas bewohnt, welche nie einen Missionar gesehen oder die Botschaft von der erlösenden Liebe gehört hatten. Gegen den 20. September kam ich nach Genda zurück, und am Abend meiner Rückkehr forderte ein königlicher Befehl den britischen Consul, alle Missionsagenten und mich , selbst nach Gondar, um einen Brief vorlesen zu hören, den Herr Bardel von dem Kaiser von Frankreich gebracht habe. Alle gehorchten dem Befehle, und am Morgen des 2. Oktober 1863 (es mag sein, daß das Datum nicht ganz genau ist) wurde die Depesche öffentlich vorgelesen und die Unterredung zwischen