Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 5-6 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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nach Seiner unendlichen Barmherzigkeit bis jetzt unter Prüfungen, wie sie selten einem Menschen zu Theil werden, erhalten hat, Seine Güte noch völliger offenbaren und mich und meine Mitgefangenen aus aller Trübsal erlösen wird. Innerhalb der letzten sechs Monate hofften wir, Capitain Cameron und ich, zu verschiedenen Malen ganz zuversichtlich, daß die Sachen zu einer beriedigenden Lösung kommen würden; aber es scheint, daß versöhnende Briefe nicht den erwünschten Erfolg haben, f Gott sei Dank, daß wir wohl sind; und mit einigen schmerzlichen Ausnahmen kämpfen wir im Gebet und Glauben gegen die Schwierigkeiten, von denen wir umgeben sind. Mit der größten Hochachtung Ihr duldender Bruder in Christo Henry A. Stern. 5. Herr Prediger H. A. Stern an seine Frau. Amba Magdala, Süd-Abyssinien, im April 1865. (Erhalten, im 6. Juli 1865.) Meine theure Charlotte! Da jetzt gerade Gelegenheit nach Massowah ist, so eile ich an Dich zu schreiben, da ich aus eigenen Gefühlen weiß, wie ängstlich Du auf Nachricht von mir warten wirst. Wenig gedachten wir an jenem trüben Morgen, da eine düstere Vorbedeutung, die nur gestattete ein stammelndes „Gott segne Dich" auszusprechen, daß unsere Trennung so lange dauern würde. Vor Monaten schon könnten meine Leiden und meine Einkerkerung geendet haben, wenn nicht immer wieder von Neuem widrige Ereignisse eingetreten wären, welche meine Hoffnungen zerstörten. Der einzige Trost in aller Trübsal, die beinahe seit neunzehn Monaten mein Loos gewesen ist, ist das Bewußtsein, daß ich, seitdem eine gnädige Vorsehung meine wandernden Schritte nach diesem Lande lenkte, nur das Heil von Seelen und die Ehre des Heilandes gesucht habe. Mein Zweck wurde natürlich gräßlich entstellt. Doch ich darf mit dem wenigen Papier, das mir zu Gebote steht, nicht verschwenderisch sein, noch darf ich in meinen Mittheilungen zu weitläufig werden, ohne die