Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 5-6 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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79 1. Herr Flad an Herrn Prediger C. I. Goodhart. Goffat, den 27. Mai 1864. (Erhalten im Oktober 1865.) Hochehrwürdiger Herr! Da sich eine Gelegenheit darbietet, so ergreife ich die Feder, um ihnen einige Nachricht von unserer gegenwärtigen Läge zu übersenden. Wie gern ich ihnen auch Einzelheiten umständlich mittheilen möchte, so kann ich dies aus gewissen Gründen für jetzt doch nicht thun, ich hoffe aber, daß Sie durch unfern Freund H*) die wörtlichen Mittheilungen, die ich ihm machen konnte, werden empfangen haben. Des Herrn Hand liegt schwer auf uns — es scheint oft, als ob er uns verlassen und seine Gnade uns entzogen hätte — ja als ob der Himmel über, uns verschlossen wäre, weil unsere Gebete nicht erhört zu werden scheinen. Unser Elend und Roth ist groß. Wir trösten uns aus dem Worte Gottes, und stellen Ihm unsere Sachen anheim; Er wird Alles wohl machen. Selbst wenn es Ihm nach Seinem unerforschlichen und weisen Rathe gefallen sollte, daß wir geopfert werden sollten, so geschehe Sein Wille; in unserm Heilande haben wir Frieden gefunden; Er ist die Versöhnung für unsere Sünden, unser Trost im Leiden, unsere Hoffnung im Tode und unsere Freude in der Auferstehung. Auch ist es ein Trost für uns, die Gewißheit zu haben, daß unser Werk für Ihn und Sein Reich in diesem Lande nicht vergeblich gewesen ist; die Zeit wird kommen, wo andere erndten, was wir gesäet haben und dann werden wir uns mit ihnen freuen vor dem Throne des Lammes. Diese Aussicht versüßet oft in dunkeln Stunden die Bitterkeit unserer Leiden. Herr S lern ist noch gebunden, wie auch der englische Consul Cameron mit all seinen europäischen Bedienten. Herr Rosenthal ist frei und lebt mit seiner Frau und seinem Kinde in ihrer Nähe; sie sind noch Alle in dem königlichen Lager zu Gondar. Ich *) Dies bezieht sich auf die Nachricht von der Gefangenschaft des Herrn Stern, welche zuerst von dem Baseler Missionar Herrn Haussmann gegeben wurde.