Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 5-6 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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80 lebe mit meiner theuern Frau und zwei Kindern in Gaffat, drei Tagereisen von ihnen entfernt, wie auch die beiden Missionare der schottischen Gesellschaft und zwei deutsche Jäger. Obschon wir keine Ketten mehr an unfern Händen tragen, so sind wir doch noch Gefangene. Die Verbindung mit denen in Gondar ist, Gott sei Dank, nicht abgeschnitten worden, und so kann ich sie von hieraus mit Geld, Medicin u. s. w. versehen, was eine große Gnade ist. Herr Rosenthal schreibt in einem Briefe, den ich gestern von ihm erhielt, unter Andern: „Der Zustand unserer Gesundheit ist sehr abwechselnd, manchmal sind wir wohl, dann wieder mehr oder weniger leidend. Meine Frau litt lange Zeit an Diarrhöe, sie ist aber jetzt wieder wohl. Herr Stern litt einige Zeit hindurch an der Ruhr, aber auch er ist wieder wohl, und ich habe lange Zeit an Augenentzündung gelitten. Wenn wir während der Regenzeit in solchen Zelten zubringen müssen, wovon wir bereits alle-die Wirkung fühlen, so müssen wir mehr oder weniger unterliegen; wir müssen uns dem Willen des Herrn unterwerfen." Wir erwarten jetzt mit jedem Tage ein Schreiben von der englischen Regierung; wir wissen aber nicht, welche Wirkungen dasselbe für uns haben wird; es wird uns entweder die Freiheit verschaffen, oder härteres Gefängniß verursachen. Herr C. I., welcher mit mir hierher kam, wurde von der Ruhr befallen, in Folge dessen er am 10. April starb. Nachdem er einen Monat krank gelegen hatte, verschied er in Frieden und ging ein zur Freude Seines Herrn. Er ist selig, denn er ist erlöst von aller Mühsal. Ich schließe diese Zeilen mit den Worten des 71. Psalm und mit dem Gebete, daß ich bald in den Stand gesetzt werden möge, einige ihnen erfreulichere Nachrichten zu senden, wie Diejenigen, welche auf den Herrn hoffen, ihre Kraft verjüngen. Möge Er uns die Kraft verleihenden Leidenskelch mit kindlicher Ergebung und fteudigem Glauben aus Seiner Hand zu nehmen, und möge Er Gnade verleihen zu sagen, der Herr hat Alles wohl gemacht, Ihm sei allein Preis und Ehre. Möge des Herrn reicher Segen auf Ihnen ruhen, wie aus allen geehrten Mitgliedern der Gesellschaft. In Ihm, der uns erlösethat, verbleibe ich Ihr demüthiger Diener I. M. Fl ad.