Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 5-6 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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74 tend waren, ohne etwa vom Gesetze vorgeschrieben zu sein, so daß sie von den andern Völkern nach Israel mit hinübergenommen sein müssen." Bliebe der Herr Rabbiner bei seiner unter (1) gegebenen Definition über die Bedeutung des Salbens der israelitischen Könige stehen, so würde er in dem ganzen Artikel wenigstens eine biblische Wahrheit ausgesprochen haben, aber das wäre gegen seine Gewohnheit, und seine Gewohnheit, überall den Unglauben vorwalten zu lassen, ist ihm zur zweiten Natur geworden, daher negirt er gleich in den Worten unter (2) das Positive, was er unter (1) ausgesprochen, und läßt Alles, was zum Königthum gehört, aus dem Heidenthum entnommen sein. In der That liegt in diesen beiden Folgerungen Philippsons ein unverzeihlicher Widerspruch, der sich nur durch die größte Oberflächlichkeit des unbiblischen Bibelcommentators erklären läßt. War die Salbung der Könige eine heidnische Sitte, die, „von andern Völkern nach Israel mit hinübergenommen wurde," wie konnte sie, ein Symbol der Heiligung, der Verbindung der Königswürde mit Gott — dem Gott Israels — und des unmittelbaren Verhältnisses der Königswürde zu Gott sein? War Samuel, der dieses Symbol, die Salbung vollzog, ein heidnischer Prophet, oder that er dieses nicht vielmehr auf Befehl des Gottes Israels? und hat David die Unantastbarkeit der Person des Königs, die ihn zurückhielt, seinen Verfolger Saul zu tödten, wozu sich ihm zwei Mal die beste Gelegenheit darbot, von den Heiden gelernt? Es ist eine wahre Schmach, daß ein Rabbiner unter der Devise der Aufklärung des 19. Jahrhunderts alles Biblische, was nicht in seinen ungläubigen Jdeenkram oder politischen Katechismus paßt, für Heidenthum erklärt. Schreiber dieses muß es hier nochmals einschaltend bemerken, daß es keinesweges seine Absicht ist, mit Philippson über seine politischen Ideen zu rechten, mag er Republikaner, sogar Socialist oder Communist sein, es würde Keinem von uns einfallen, ein Wort darüber zu verlieren, weil wir uns von politischen Streitigkeiten so viel wie möglich fernhalten; aber wenn er die Bibel zum Aushängeschild seiner unbiblischen oder republikanischen Gesinnung macht, so muß dieses Gaukelspiel in seiner ganzen Unwürdigkeit gezeigt werden. — Nein, weder Samuel noch David haben heidnische Sitten in Israel eingeführt, ersterer, ein Reformator, aber nicht