Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 3-4 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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bekanntlich auch Dan. 9, 26, wo eS in unfern Bibeln heißt: „Und nach den zwo und sechzig Wochen wird Christus ausgerottet werden, undnichtsmehr sein." Diese letzten Worte sind offenbar ganz falsch. Die hebräischen Worte: Voein Io lassen jedenfalls eine solche Uebersetzung nicht zu. Ich freute mich nun, in zwei verschiedenen Schriften Luthers eine ganz andere und dem Hebräischen entsprechendere Uebersetzung zu finden. In einer Predigt: „Ein Sermon von des Jüdischen Reichs und der Welt Ende, Matth. 24," führt Luther obige Stelle aus Daniel also an: „Und über zwo und sechzig Wochen wird man den Missias ausrotten, und die werden nicht sein seien." Freilich sind die Worte dunkel, denn man weiß nicht, wer „die" sind, „die nicht sein sein" sollen. In seiner Schrift, „daß Jesus Christus ein geborner Jude sei," spricht er sich ausführlicher darüber aus; seine Worte lauten also; „Und nach zwo und sechzig Wochen (vernimm über die ersten sieben Wochen ängstliches Wiederbauens) wird der Messias ausgerottet werden, (das ist nicht geschehen im Anfang der letzten Wochen, sondern gleich im Mittel; denn Christus hat vierthalb Jahr gepredigt. Und er spricht: ausgerottet, das ist, von diesem Leben in das unsterbliche Leben genommen durch den Tod und sein Auserstehen). Und die werden nicht sein sein, das ist die ihn kreuzigen und aus dieser Welt treiben, werden nicht mehr ihm angehören und sein Volk sein; sondern wird ein ander Volk annehmen, das verkläret er und sagt, wie sie nicht ungestraft drum bleiben werden" u. s. w. Etwas ist bei dem hebräischen Ausdruck: Veoill Io wohl zu ergänzen; es ist nur die Frage, ob Luther in seiner Ergänzung das Richtige getroffen hat. In derselben Schrift: „daß Jesus Christus ein geborner Jude sei Wittemberg 23" findet sich ein Ausspruch Luthers, den ich auch mittheilen will, da er in unfern Tagen sehr außer Acht gelassen wird und doch stets sehr beherzigenswerth ist. Man macht bekanntlich gewöhnlich sehr strenge Forderungen an jüdische Forscher und Proselyten, und die Gegner der Judenmission sind in diesen Forderungen und in den Urtheilen über Proselyten um so strenger. Luther äußert sich in der angeführten Schrift über einen höchst wichtigen und wesentlichen Punkt der christlichen Lehre merkwürdiger Weise sehr milde und nach-