Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 3-4 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554749-2554752--04498-2560428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
88 dem 4. Buche Mose, Cap. 11, ist geschrieben: „Und der Herr sprach zu Mose: Sammele mir siebenzig Männer unter den Aeltesten in Israel, die du weißt, daß die Aeltesten im Volk und seine Amtleute sind, und nimm sie vor die Hütte des Stifts und stelle sie daselbst vor dich, so will ich hernieder kommen und mit dir daselbst reden, und deines Geistes, der auf dir ist, nehmen, und auf sie legen,-daß sie mit dir die Last des Volkes tragen, daß du nicht allein tragest." Aus dem Obigen ergiebt sich ferner, daß sogar der gottbegeisterte MoseS nicht ohne Volksrepräfentation zu regieren vermochte und daß auch diesen Volksvertretern der Geist Gottes mitgetheilt wurde. Wir halten zwar nicht dafür, daß Bibelterte in politische Streitigkeiten ohne Noth einzumischen sind, wir möchten aber die Verfechter der absoluten Rechte der „Fürsten von Gottes Gnaden," welche es lieben, ihre Waffen aus diesem Arsenale zu entlehnen, herausfordern, einen gleich entscheidenden Text für ihre Doctrin zu citiren." So weit die Kölnische Zeitung, Philippson bemerkt dazu: „Wir freuen uns dieser Ansühmng, die jedoch noch vielfach zu ergänzen wäre. Bekanntlich hält die Kölnische Zeitung etwas darauf, keineJuden zu Mitarbeitern und Correspondenten zu haben, und so ist der citirte Artikel auch nicht aus einer jüdischen Feder geflossen. Ein Jude würde aufmerksam gemacht haben, daß dies eben einer der Unterschiede zwischen dem Neuen Testamente und unserer heiligen Schrift ist. Aber das mosaische Gesetz ist ja durch das Christenthum für feine Bekenner aufgehoben." Wenn die Kölnische in dieser Schriftstelle einen Beweis für die Einführung einer Volksvertretung zur Zeit Mosis finden will, so kann man es ihr noch verzeihen und allenfalls ihr zurufen: Schuster, bleib bei deinem Leisten, politisire so viel du willst, nur ziehe nicht in deine Politik die Bibel hinein, die du nicht verstehst; aber einem Rabbiner, einem Bibelcommentator, ist es wahrlich nicht zu verzeihen, wenn er den Leuten Sand in die Augen streuen will und eine Schriftstelle zu politischen Tendenzen*) mißbraucht. Besehen wir uns diese Stelle in Cap. 11 des *) Schreiber dieses bemerkt ausdrücklich, daß ihm politische Streitigkeiten fern liegen. Ihm ist es nur darum zu thun, dem Leser zu zeigen, was man davon zu halten habe, wenn Philippsohn in die Welt hineinschreit, daß dieses oder jenes Staatsrecht von Moses schon proklamirt worden wäre.