Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 3-4 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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53 außen hin leben. Zweitausend Juden wurden drei Monate hindurch von dem treu für die Armuth sorgenden Bischof mit Wasser und Reis unterstützt. Noch Ende September dursten die Schwestern des Diakonissenhauses in einem Briefe an die Vorsteherin des hiesigen Frauenvereins für Jerusalem rühmen, daß diese Stadt selbst von der verheerenden Krankheit vollständig verschont geblieben sei. Da brach sie plötzlich los am 1. Oktober und forderte Anfangs täglich 15, dann 42, dann 109 Opfer, bis die Behörden die Nennung von Zahlen verbot, um der immer allgemeiner werdenden Angst Einhalt zu thun. Herzzerreißend muß derJammer sein, denn fast Alle, die helfen könnten, sind gestohen. Durch die Consuln und christlichen Anstalten geschieht viel, um die Noch zu lindern, aber was ist das diesem massenhaften Elend gegenüber? In besonders dunklen Farben schildert der Bischof das Elend, wenn einer jüdischen Familie der Versorger genommen ist. Da hat die arme zurückgelassene Wittwe nicht blos die bedeutenden Begräbnißkosten aufzubringen, sondern muß auch nach jüdischem Brauche alles Wasser im Hause, das in der dürren Zeit vielleicht für viele Wochen berechnet war, auöschütten. Dürfen wir uns da wundern, wenn im Angesichte solches Elendes der Bischof den Wunsch und die Hoffnung ausspricht, daß, da in diesem Jahre der Gedächtnißtag der Gründung des Bisthums von Jerusalem gerade auf einen Sonntag fällt, sich heute besonders viele Christen vereinigen werden, um Herzen und Hände zu öffnen zu Gebet und Gabe. Ich hoffe die übervolle Kirche bürgt mir dafür, daß er hier in Breslau nicht vergeblich gebeten haben soll! Kann uns noch etwas anderes zu der helfenden Theilnahme ermuntern, so soll es das beschämende Bekenntniß sein, daß bisher unter uns so wenig geschehen ist. Während unter den vielen Vereinen der römischen Kirche für das heilige Land ein Einziger im Laufe des Jahres 12000 Thaler aufgebracht hat, muß unser Hauptverein in Berlin darüber klagen, daß das Verhältniß zwischen Einnahme und Ausgabe sich immer ungünstiger gestaltet, wiewohl die Unterhaltung der bereits bestehenden evangelischen Anstalten immer größere Anforderungen macht, so daß immer mehr und mehr der in den Zeiten der ersten Liebe zu Zion zurückgelegte Nothpfennig angegriffen werden muß. Während der Hauptverein