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Dibre Emeth · 1866-01-01 · 3-4 (1866) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
22 (1866)
Issue
3-4 (1866)
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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41 Berlin, der die Mittel zum Theil zu spenden hat, konnte im vorigen Jahre nicht viel über 5000 Thlr. sammeln. Und Breslau, die große Stadt mit ihren 70—80,000 Evangelischen, hat dazu 60 Thlr. beigetragen, wie wir vorhin gehört. Wie wenig ist's! Wie klein muß die Zahl sein, die Jerusalem im Herzen trägt. Ihr Lieben, gewiß, es soll anders werden. Ich schelte nicht. Ich klage mich mit euch an; wir wollen's gemeinsam dem Herrn bekennen, daß wir zu wenig gethan. Der liebe Berichterstatter hat vorhin seine Freude ausgesprochen, daß diese Kirche so gefüllt ist. Es ist wahr und ist schön; aber ich muß doch sagen: Ihr Kinder Gottes in Breslau, wie seid ihr so vereinzelt und zerstreut. Dies Kirchlein müßte die Festgäste gar nicht fassen. Wir müßten genöthigt sein, in die Elisabeth- oder Magdalenenkirche zu ziehen mit ihren gewaltigen Räumen. Gewiß, gewiß, wir wollen heute Gelübde thun, wir wollen Jerusalem ins Herz und auf's Herz nehmen und wollen unsere Liebe zu ihm ausstrahlen lassen erwärmend in andere Herzen. Dann wird unsere Zahl sich mehren und wir werden eine große Schaar sein zum Kampfe um Jerusalem, das in Noch ist, in großer Noch, damit die Anstalten unsrer evangelischen Kirche dort nicht zu Schanden werden, sondern größer, weiter ausgedehnt und stärker befestigt. Oder sollte euch die Heidenmission so in Anspruch nehmen, daß eure Herzen keinen Raum und eure Hände keine Kraft übrig hätten für Jerusalem?! Ich fürchte, wir müssen sagen: Nein, nein, so haben wir nicht an der Heidenmisston uns betheiligt. Und wollen wir es thun, dann dürfen wir Jerusalem nicht außer Acht lassen. Alles, was zur Heidenmission treibt, treibt gleichermaßen zur Arbeit für Jerusalem. Dort ist ja ein großes Volk aus verschiedenen Nationen, das den Herrn nicht kennt, Juden, Heiden, Muhamedaner. Sollte ihnen gerade dort nicht das Evangelium gebracht werden? — Oder hat Jemand mit der inneren Mission so viel zu thun, daß er Jerusalems vergessen muß? O es ist ein köstlich Werk, das Werk der innern Mission, das dem leiblichen und geistlichen Elende helfen will. Aber in Jerusalem ist ein gewaltig Feld für solche Arbeit. Jetzt eben geht ein Schrei durch unser Vaterland: Helft den armen unglücklichen Aussätzigen, die vor den Thoren Jerusalems lagern, oft mit fast abgefaulten Gliedern.

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