Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 3-4 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 den gemarterten Leichnam, und das Er verließ am dritten Tage in verklärter Gottesschöne, ein Sieger, dem kein anderer gleich. — Dort auch der Oelberg, wo zum letzten Male leibliche Augen Ihn schauten, da er gen Himmel fuhr. — Und wenige Jahre später, wie Er's verkündigt, ward dieß Jerusalem zertreten von den Heiden; kein Stein blieb auf dem andern, — ein gewaltig Vorbild und Vorspiel des Endgerichtö, das Alles wird verwerfen, was den Herrn verwarf. Sag', find'st du einen andern Ort, der so groß war, so hoch erhoben und so herrlich? Man sucht die Orte, wo große Menschen Großes vollbrachten. An den Stätten ihrer Geburt, an ihren Gräbern läßt man sich gern durchwehen und durchrieseln von den mächtigen heiligen Schauern der größern Vergangenheit. Man setzt Denkmäler zu dankbarem Gedächtniß, daß sie der Nachwelt melden, was vergangene Geschlechter sahen und die gegenwärtigen bewunderten und ehrten. — Ist Jerusalem einer geringeren Ehre würdig, Jerusalem mit seiner herrlichsten Vergangenheit? Ach nein, man fühlt's. Auch die. welche das Heil nicht kennen und lieben, das von Jerusalem ausgegangen, sie pilgern hin, und für die modernen Wallfahrtszüge bildet Jerusalem eine Hauptstation — um seiner Vergangenheit willen. Und wir — wir sollten gleichgültig sein, wir, die wir es wissen und preisen, daß von Zion das Gesetz ausgegangen und des Herrn Wort von Jerusalem? Vergißt doch Niemand seiner Heimath, und wäre es eine noch so geringe Gegend, ein noch so armes Dorf und noch so niedrige Hütte. Und wir sollten Jerusalems vergessen, wo unsere geistliche Wiege stand, wo an jenem heiligen Pfingsttage durch den Geist von Oben die Kirche geboren wurde, unsrer Aller Mutter? Wie heilig muß uns diese Stadt sein um deßwillen, was sie war. Wie sehne ich mich, den für alle Zeit geweihten Boden zu betreten, mit Augen zu schauen die heiligen Berge, die um Jerusalem her; zu knieen und zu beten an der Stätte, wo kniete und betete mein Herr und mein Gott! Gewiß, gewiß, ihr — Geliebte — fühlt s ebenso und ihr folget der Prophetenstimme des heutigen Tages: Laßt euch Jerusalem im Herzen sein! Ich ruf'ö euch zu zum andern Mal: Laßt euch Jerusalem im Herzen sein! Gedenket, was es ist in unsrer Zeit. Die heiligen