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Dibre Emeth · 1856-01-01 · 1-2 (1856) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
22 (1866)
Issue
1-2 (1856)
Date
1856-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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29 genwart, auch nicht der der Vergangenheit; denn die ganze dort erwähnte Thatsache ist, insoweit sie sich auf die Juden bezieht, eine solche, deren historische Wahrheit wir bestreiten. „Es ist Mitternacht, während wir dieses schreiben. Trübe Bilder steigen vor unserm geistigen Auge auf. Hier in Mainz — wie oft hat das unschuldige Blut unserer Väter die Straßen dieser Stadt geröthet! Hört Ihr den dumpfen Lärm, das Getöse wirrer Stimmen? Seht, da fliegen klirrend die Steine durch die Fenster der von den Juden bewohnten Häuser! Wilde Volkshaufen strömen herbei; drinnen zittern von des Todes Schrecken bleiche Männer, jammern die Weiber, wimmern die Kinder; schon dröhnen Artschläge gegen die Thür, und die Mörder dringen herein mit dem Schreckensrufe: Tödtet sie, die den Messias gekreuzigt haben! „Noch vor wenigen Tagen hat Kaiser Napoleon III. bei Eröffnung des Parlaments den Satz ausgesprochen: „„Alle Culte genießen eine gleiche Freiheit."" Dieses kaiserliche Wort ist in seinem vollen Umfange wahr; warum aber sollen kaum erstorbene Leidenschaften aufs Neue aufgeregt werden? Man wird sagen, der in Rede stehende Passus aus der Vorrede zum Leben Cäsars sei nur eine Redefigur, nur ein Vergleich, der an eine Vorstellung anknüpft, die im Volke gang und gäbe ist — wohl wahr, allein es kann doch auch anders aufgesaßt werden, und schon das ist deshalb sehr schlimm, weil der Schriftsteller, welcher es sagt, ein Kaiser ist, der an der Spitze Frankreichs, ja, in gewissem Sinne an der Spitze Europas steht, und wenn in Frankreich die Bildung auch so weit vorgeschritten sein sollte, daß sich keine Befürchtungen daran knüpfen — welchen Wiederhall wird diese Redefigur, dieser Vergleich z. B. in den Donaufürstenthümern wecken? „Wir wissen es: Intentionen gegen unser Volk liegen Napoleon III. durchaus fern. Allein gerade deshalb hätten wir gewünscht, daß eine Redeform weggeblieben wäre, die doch wenigstens mißdeutet werden kann." Dies ist die Kritik des „Israelit." In einem Punkte stimmt dieselbe mit der der „Ztg. d. Judenths." überein, nämlich in Bestreitung der That, deren das Vorwort die Juden beschuldigt; nur nimmt

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