Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 1-2 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Die so viele Jahrhunderte andauernde Drangsalsgeschichte der Juden, die bald nach dem Tode Jesu in der Zerstörung Jerusalems begann, und die bis auf den heutigen Tag, bei aller Emancipation in verschiedenen Ländern, doch noch immer fortdauert, die ja auch die jüdischen Geschichtschreiber selbst nicht schwarz genug malen können. Diese Leidensgeschichte der Juden läßt sich nun einmal nicht verleugnen, sondern sie ist da und sie enthält das unwidersprechliche und untrügliche Urtheil des wahrhaften und gerechten Gottes über die Juden wegen der von ihnen verübten Verurtheilung Jesu Christi zum Tode. In dem letzten Theile der Kritik stellt sich der Verfasser noch auf den eigentlichen jüdischen Standpunkt, um doch auch von demselben aus die Juden zu rechtfertigen. Er sagt in dieser Beziehung, wie wir oben hörten, daß es „die Aufgabe der Juden war, die mosaische Lehre vom einig-einzigen und unkörperlichen Gotte in ihrer Reinheit und Unbedingtheit zu erhalten und zu bekennen;" und setzt dann hinzu, daß ihnen „die christliche Lehre als eine Abweichung von diesem Wege erscheinen mußte;" und daß „die ganze folgende Geschichte bis heute bewähre, daß sie ihrer Mission treu geblieben und sie fort und fort weiter erfüllt haben." Hier ist nun unser eben erst erwähntes Entweder Oder entschieden; Jesus Christus war nach dem Urtheil unserö Kritikers ein Verführer, dessen „Lehre" als eine Abweichung vom Gesetz Moses „erscheinen mußte" und demnach handelten die Juden nach der Vorschrift des Gesetzes, indem sie Jesum tödteten. Somit giebt nun der Kritiker hier seinen „Zweifel" wieder auf; nimmt auch nicht bloß einen Augenblick die Thatsache an, sondern gesteht das ganze Factum zu; ja, legt zugleich noch das Bekenntniß ab, das auch die heutigen Juden Jesum Christum für ebenso todeswürdig erkennen und erklären, wie ihre Vorfahren gethan. Wir können dazu nur sagen, wie wir schon oben es ausgesprochen: War Jesus ein falscher Messias, ein Betrüger, so war es recht und billig, daß ihn die Juden tödteten. Aber unser Kritiker weist doch auch auf die Geschichte hin, wenn er in seiner Kritik sagt: „Jede Abweichung von diesem Wege" — die mosaische Lehre vom einig-einzigen Gotte allezeit rein zu erhalten — „haben ihnen ihre Propheten