Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 1-2 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554749-2554751--04449-2560378- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
10 achtung hat ihre Licht- und ihre Schattenseite. Sie zeigt, daß man auf unsere geschichtliche, religiöse und sociale Bedeutung gar sehr aufmerksam geworden. Da es aber noch immer mehr Vorurtheil als Gerechtigkeit, noch immer mehr Haß als Liebe in der Menschenwelt und insonders betreffs unser giebt, so erleiden wir bei dieser steten Erinnerung an uns mehr Schaden als Nutzen, mehr Schmähung als Lob. „Der Kaiser Napoleon will ein Leben Cäsars schreiben, dieses Buch erfordert ein Vorwort; und dieses Vorwort muß der Juden schmähend gedenken, er muß sich zu denen gesellen, welche der Verfasser bekämpft. Die Juden haben Napoleon III. als Herrscher Frankreichs nichts vorzuwerfen.... So wenig uns daher in diesem Blatte das Werk des Schriftstellers Napoleon angeht, so fordert uns doch durch den gedachten Umstand das Vorwort zu einem kritischen Blicke auf, um dem zu begegnen, was es uns vorwirft.... Nach bemalten Spruche: ex ungue leonera, aus den Klauen erkennt man den Löwen, läßt uns das Werk für die historische Wahrheit und Treue keine großen Aussichten." Man hört es aus diesen Worten heraus, welche Bedeutung und Wichtigkeit der Redakteur der Judenztg. sich in seinem Geschreibe beilegt; und bei den vielen groben Unwahrheiten, Entstellungen u. s. w., die in der Judenztg. stets enthalten sind, klingt es um so sonderbarer, wenn der Herausgeber derselben ein solches Gebühren annimmt, als sei er zum Hort und Wächter der Wahrheit und Treue bestellt und bestimmt. — Doch wir lassen dies, wir wollen uns weder mit dem Ganzen und Allgemeinen des napoleon'schen Vorworts, noch der Philippson'schen Kritik desselben befassen; sondern wir wollen speciell nur die Kritik des einen Satzes und diesen selbst ins Auge fassen, den die Judenztg. als einen solchen bezeichnet, der „für die historische Wahrheit und Treue des Werkes" selbst „keine großen Aussichten lasse." Indem unser Kritiker zur Beurtheilung des Satzes übergeht, auf den es uns hier ankommt, bemerkt er, daß mit einer vorangehenden Aeußerung Napoleon „vom geschichtlichen Gebiete auf das theologische übergetreten sei, und eine historische Frage mit einer religiösen