Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 21 (1865)
- Issue
- 11-12 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554741-2554748--04416-2560344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gewiß wirb der Leser gern das Motiv wissen wollen , welches die modernen Rabbiner zu einem solchen gewaltsamen Vorgchen gegen diese Lehren veranlaßt, warum, wird er ftagen, sollen Glaubenslehren, die Jahrtausende lang Trost und Ermunterung den Juden gewährt haben, durchaus abgeschafft werden? Die Antwort ist kurz. Es ist das Christenthum, welches sie auf diese Art zu bekämpfen suchen. Das ChristeNthum wurzelt im biblischen Judenthum, gründet sich auf Moses und die Propheten, dem Judenthum den biblischen Boden ett-t ziehen, die positive Offenbarung ihm nehmen, seine Grundlehre erschüttern und beseitigen, das ist es, wodurch diese Herren am besten dem Einflüsse des Christenthums, welchesste überall in ihren Schriften herabzuwürdigen suchen, begegnen zu können glauben. Der mosaische Opferdienft steht im engen Zusammenhänge mit dem Opfertod Christi und der durch denselben bewirkten Versöhnung; die Engel weisen schon im alten Testament auf die Mittlerschaft zwischen Gott und den Menschen hin; die Lehre vom Messias und der Wiederherstellung Israels, selbst nach rabbinischer Auffassung, erinnert zu sehr an die christliche Messiaslehre, die Auferstehung der Todten ist eine Grundlehre des-Christenthums, daher müssen sie alle beseitigt werden, Alles, was das Christenthum mit dem Judenthum gemein hat, muß aus letzterem verbannt, ja die Bibel selbst als nicht durchaus für das jetzige Judenthum nothwendig erklärt werden. Das sagt Geiger in seiner hier schon wiederholt erwähnten Schrift Seite 139 in klaren, dürren Worten. „Das Judenthum hingegen" (im Gegensatz nämlich zum Christenthum), heißt es daselbst, „kann Persönlichkeiten entbehren, es kann die Kritik frei walten lassen über alle seine großen Männer; ginge sie selbst soweit, — was sie freilich nur in keckem Uebermuthe thun würde, — Moses ganz aus der Geschichte zu streichen. Wir würden ein solches Beginnen vielleicht (also nur vielleicht!) beklagen, aber,- ist es Moses, ist es sonst einer der Mitwirkenden, auf denen das Judenthum erbaut ist? Die Lehre ist da, in ihr liegt sein Glaube und sie wird bewahrt werden, die Lehre ist da, wie sie in das Judenthum hineingekommen , gleichviel wer sie ihm gegeben, welche geschichtliche Persönlichkeit ihr Vermittler gewesen, gleichviel ob ein vollständig Sündenfreier oder ein Mensch, gleichfalls von menschlichen