Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 21 (1865)
- Issue
- 9-10 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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149 kann, aber ich fühlte es, daß ich krank sei, und so vernahm ich Christi frohe Botschaft: die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken, Mit Freuden. Das Sündhafte der menschlichen Natur erkennen wir wohl leicht, wenn aber nicht ein Lichtstrahl des heiligen Geistes in unser seelisches Auge dringt, werden wir so leicht nicht zur Erkenntniß der uns anklebenden Sündhaftigkeit geführt; aber erst muß das Herz zerschlagen, der Sinn gedemüthigt werden, eh wir wie der Zöllner uns an die Brust schlagen und beten: „Gott sei mir armen Sünder gnädig." — Da schüttelte ich von mir ab alle die Winterfedern des Zweifels, aber die Flügel meines Glaubens wuchsen unter Gottes Segen immer kräftiger, und meine Seele, die so lange wie ein heimathloses Vögelein unruhig zwischen Himmel und Erde geflattert, setzte sich auf das Kreuz Jesu, und fand, den anschauend, auf den sie dereinst gestochen haben, Ruhe und Frieden. Ich versenkte mich tiefer und tiefer in die Lehre Christi, zu dem ich als den mir vorenthaltenen, aus dem Vaterhause verstoßenen Bruder eine tiefe Liebe faßte, da ich ihn endlich gefunden, der auch für mich sein Leben dahingegeben hat, um mich durch sein Blut mit Gott, dem Allerheiligsten, zu versöhnen, und wie ich mit ihm der Welt abstarb, des Fleisches Lüste kreuzigend, so hoffe ich mit ihm zum ewigen seligen Leben aufzuerstehen. — Es war ein Frühlingsleben des Geistes, das ich nun mit meinem Freunde dem frommen Diener Gottes, in Jesu Gemeinschaft feierte, ja, ich fühlte mich ganz in die apostolische Zeit versetzt, da ich mit ihm und noch manchem christlichen Freunde im Umgang , Brotbrechen und im Gebet verblieb. Ich war zum Kinde und wählte für die Weisheit der Welt die einfältige Lehre vom Kreuz und freute mich wahrhaft kindlich, daß mich der liebe Vater im Himmel nach so vielen Irrfahrten endlich auf den Weg des Heils, und, nachdem ich nun so vielerlei Quellen gekostet, endlich zu dem Brunnen geführt hat, daraus Ströme lebendigen Wassers sich ergießen: — Schon war ich im Begriff, die neue Geburt dürch die heilige Taufe an mir besiegeln zu lassen, als der Hinderer noch einmal in den Weg trat. Er hatte einen Krieg angestiftet, und ich sollte möglichst bald als Arzt zu einem Feldlazareth, das in Berlin gebildet wurde, stoßen. Wie Saul aber trat ich ihm mit dem Harnisch des Glaubens entgegen, empfing in der Hauptstadt