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Dibre Emeth · 1865-01-01 · 9-10 (1865) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
21 (1865)
Issue
9-10 (1865)
Date
1865-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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148 und Meisters kennt, hat wohl zu klagen über die verschlossenen Herzen. An einem andern Aufenthaltsort kam ich wieder mit Glaubensgenossen zusammen; ich ging wieder in die Synagoge, aber das Herz blieb kalt und der Geist leer — von Gebet und Predigt: — Als einen Fingerzeig Gottes muß ich es ansehen, daß mir um diese Zeit das 11. Kapitel des Römerbriefes als Makulatur in die Hände kam. Wie einen Trost vom Himmel las ich die Worte, daß Gott sein.Volk nicht verstoßen hat, welches er zuvor versehen. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, da ich durch Paulum erfuhr, wie wunderbar durch Gottes Fügung aus dem Falle Israels der Welt Reichthum und aus ihrem Schaden der Heiden Reichthum erwachsen ist. Doch da Paulus die Blindheit Israels vorhersagt, bis die Fülle der Heiden eingegangen sein wird, so beschwichtigte mich dies, indem ich das „eines Theils" ganz übersah. Doch das Israel sucht, das erlangt es nicht, die Wahl aber erlangt es, auf daß Gnade —Gnade sei. So war ich denn durch Gottes Fügung, während ich meinem irdischen Vortheile nachzugehen glaubte, über 60 Meilen weit nach einer andern Provinz Preußens geführt, wo mich Gott einem getreuen Vertreter seiner Heilslehre begegnen ließ; Gottlob , daß der Boden gelockert war! Mit ihm ging ich die Weissagung der Propheten Israels durch, die ich bis dahin kaum gekannt hatte: vor Allem aber stand ich erstaunt und voller Befremdung vor dem 53. Capitel des Jesaias. Hier stand das Zukünftige in klaren, deutlichen Zügen wie ein geschehenes Ereigniß verzeichnet. Bis dahin hatte ich das Christenthum als Werk des göttlichen Namens Jesu geschätzt; nun aber gestand ich Angesichts dieses und der andern Zeugnisse: Jesus Christus ist der uns, den Juden, von Gott von Anfang her verheißene Messias. — Wer im menschlichen Lebenhat wohl mehr Gelegenheit als der aufmerksame Arzt zu beobachten, welcher Fluch in Gestalt von Krankheit und Elend auf dem Sterblichen lastet, und andererseits einzusehen, daß das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse sei von Jugend auf. Ja, ich sah es ein, wir sind leiblich und geistig von der Sünde angefreffen, behaftet mit dem Erbtheil Adams. Der getreue Hirte, der mich so gnädig durchs Leben geführt, hat mich nicht in den Schlamm des Lasters versinken lassen, wofür ich ihm bei der Verderbniß unserer Zeit nicht genug Dank sagen

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