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Dibre Emeth · 1865-01-01 · 9-10 (1865) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
21 (1865)
Issue
9-10 (1865)
Date
1865-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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146 ungelöster Weltprobleme dahinziehen, und die neuen Welle» begruben die gebleichten Gebeine der Vorgänger, um dann ihrerseits dasselbe Schicksal zu erleiden. Da ward es mir klar, daß unsere Vernunft, wenn auch noch so sehr entwickelt, nie im Stande sein wird , das Geheimniß der Schöpfung aus sich oder aus der reine» Erfahrung zu durchdringe». Mag auch das Mikroskop bis zur Zelle als Urform alles Thierischen gelangt sein, mag auch der Scharfsinn der Astronomen die Bahnen und Gesetze des Sternenhimmels erforscht und der Chemiker alles Seiende in seine Elemente aufgelöst habe» — alle Kräfte wessen auf eine Urkraft, die den Grumd ihres Seins in sich selber hat — die Schöpfung weist auf den Schöpfer. — Inzwischen lernte ich den ausgchöhlten und unterwühlten Boden des modernen Judenthums immer mehr kennen. Mit dem Wegwerfen des ceremoniellen Menschenwerkö hat man leider auch die Scheu und Ehrfurcht vor dem Heiligen verloren; der jüdische Skepticismus hat ein gar schlimmes Ferment zur Zerrüttung der heutigen bürgerlichen Gesellschaft geliefert. Der Zaun um den Weinberg Gottes ist sehr locker worden; Alles reißet daran, was vorüber gehet. Es haben ihn zerwühlet die wilden Säue, und die wilden Thiere haben ihn verderbet. — Von dem Handelsgeist Israels habe ich Gottlob nie etwas in mir verspürt; gründlich verhaßt war mir feit je seine unbändige Selbstsucht, da ein Bruder den andern, ja der Sohn den Vater und umgekehrt bevortheilen. So ward meine Stellung zum Judenthum, das mir auch in religiöser Beziehung zu engherzig erschien, um eine allgemeine Völkerreligion zu werden, immer schroffer. Der jüdische Geist that mir nicht wohl — und der Geist der christlichen Liebe, den ich im Leben zwar auch oft vermißte, aber immer für den Kern und Herzpunkt der christlichen Lehre geehrt und geachtet habe, erschien mir als der Stern im Osten, den zu suchen die Weisen ausgegangen waren. Viele Gedichte, die aus jener Epoche noch meine Empfindungen aufbewahrt haben, tragen diesen Stempel. Hierher gehört auch folgendes für mich denkwürdige Faktum. In der Stadt meiner Eltern giebt eö ein Correktions -Haus, in dem meisthin auch eine Anzahl jüdischer Gefangene fitzen. Mit dem jüdischen Prediger, der zu den hohen Feiertagen immer angereist kommt, war ich befreundet worden.

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