Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 21 (1865)
- Issue
- 9-10 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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145 liche Freunde, die mich in Schutz nahmen wenn das Hänseln und Aergern gar zu sehr überhand nahm; im Allgemeinen aber erwiesen sich die Kinder oft recht herzlos, so daß ich durch sie zum Christenthume wenig herangezogen wurde. Gottlob daß die Lehrer das Herzeleid nicht noch vergrößerten! Während dieser Zeit, da ich das Gymnasium besuchte, lebte ich in einer großem Stadt bei einem Oheim, der in meiner ganzen Familie wegen seiner Irreligiosität, wie man es nannte, zum Sprüchwort ist: wenn andere Leute auch den Respect vor Gebräuchen und Speisegesetzen verloren haben, so gehen sie doch wenigstens, sagte man, an den Hauptfeiertagen in die Kirche; er aber hat eine solche schon seit vielen Jahren nicht gesehen, ißt und trinkt, was ihm vor den Mund kommt, glaubt an Gott und ehrt den König, thut, wie er meint, recht und scheut in der That Niemand. Hier verloren nun auch bei mir die Ritual-Gesetze allmählig ihr Ansehen; ich gerieth etwas später in die Gesellschaft von Gymnasial-Freunden, die sich auf ihr Freidenken und freigeistisches Reden nicht wenig zu Gute thaten. Es hieß dubito, ergo sum, ich ging ein Stück Weges mit ihnen nach dieser Richtung, welche zum Kultus der allgewaltigen nach den Gesetzen der Rothwendigkeit waltenden Natur, zum jtäv&sös führte. Doch wenn ich auch den lebendigen Gott Israels, an dem wir Juden bei den wunderbaren Schicksalen unseres Volkes bis auf den heutigen Tag am allerwenigsten zu zweifeln Grund haben, aus den Augen verlor, die Natur war mir immer eine zu taube Gottheit, um zu ihr zu beten, und dies Bedürfniß hatte ich von Zeit zu Zeit in meiner Seele, so daß mir Gott zur Weltseele ward. Vergessen darf ich hier den Einfluß nicht, den Lessings Nathan der Weise auf meine Denkweise ausübte; ich glaubte auch hier das Problem der Religionen gelöst zu finden , und erst weit später hat mir der lebendige Gott die Augen geöffnet, daß ich die Thorheit von dem Kunststück der drei Ringe einsehen lernte. Dank sei Ihm für diese Gnade! Als Student der Medizin blieb ich Gottlob der materialistischen Richtung, welche Kraft und Stoff zu ihren Götzen gemacht hat, fremd; ich hörte und las Philosophie die Menge, doch wollte es mir nimmer gelingen mich und die Welt in eine ihrer Hirngespinnsteausschließlich einzuspinnen. Eine Geisteskarawane nach der andern sah ich durch den Wüstensand 10