Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1865-01-01 · 9-10 (1865) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
21 (1865)
Issue
9-10 (1865)
Date
1865-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554741-2554747--04380-2560307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

139 Deine Hand nicht aus gegen den Knaben, das ist wahre Verehrung des Allerbarmenden, und Abraham opferte den Knaben nicht. Nicht die Bereitwilligkeit zum Opfer ist die wahre Frömmigkeit Abraham's, sondern die Unterlassung desselben, nicht, daß er sein Kind darbringt, sondern, daß er es bewahrt, nicht, daß er sich blind der göttlichen Macht unterwirft, um das Kind von sich loszureißen, sondern, daß er Gott in seiner höheren und wahreren Würde erkennt, ist seine wahre, geläuterte Frömmigkeit. Darum ist es nicht wohlgethan, auf den Willen zur Opferung immer hinzuweisen als Act der höchsten Frömmigkeit Abraham's, er war und ist vielmehr ein Vorbild dadurch, daß er es unterlassen." Ich kann mir jede Bemerkung über dieses ganze Meisterstück von Schriftverdrehung und gotteslästerlicher Schrifterklärung ersparen. Die biblische Erzählung selbst straft den Schriftfälscher Lügen; denn es heißt daselbst (1. Mos. 22, 15 — 17): „Und der Engel Jehovah's rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel und sprach: Ich habe bei mir selbst geschworen, spricht Jehovah, weil du diese Sache gethan hast und hast nicht verweigert deinen Sohn, deinen einzigen, daß ich dich , segnen und mehren werde deinen Samen wie die Sterne des Himmels" u. s. w. Derselbe Bote also oder der Engel Gottes, der Abraham vom Himmel zugerufen, daß er seine Hand nach dem Knaben nicht ausstrecken soll, ruft ihm jetzt zu und verkündigt ihm im Namen Jehovah's den großen Segen überfeine Nachkommen. Und wofür? Etwa, wie Geiger's lästerliche Worte lauten, daß er das Opfer Jsaak's unterlassen? nein, „ weil du diese Sache gethan hast, und hast nicht verweigert deinen Sohn, deinen einzigen," sagt der Engel Jehovah's zu ihm. Und selbst nach Geiger's Allegorie, daß der „Bote Gottes die höhere Gotteserkenntniß bedeute," so wäre es doch wiederum dieselbe „höhere Gotteserkenntniß" gewesen, die Abraham den Segen für die Bereitwilligkeit der Opferung Jsaak's und nicht für die Unterlassung derselben, wozu es keines Kampfes bedurfte, verkündigt hat. Auf derselben Seite heißt es ferner in Geiger's Schrift: Allein auch das thierische Opfer ist nicht minder der Ausdruck eines niedrigen religiösen Bewußtseins, auch das thierische Opfer ist das Bestreben, wohlgefällig zu werden durch die Entäußerung irgend eines Eigenthums, ohne daß damit eine sittliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.