Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 21 (1865)
- Issue
- 1-2 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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wird auch Niemand diese Eigenschaft einem David und Salomo absprechen können; aber haben sie denn, so sehnlich sie es auch wünschten, ein solches oder nur ähnliches Heil zu Tage gefördert? Durch keine „Weisheit und Herrscherwürde" eines noch so bevorzugten bloßen Menschen kann und wird die Welt in einen solchen Zustand gelangen, wie der Verfasser wähnt. Diese Lehre von dem Messias mag behagen und genügen, wem sie wolle, uns erinnert sie nur an das ernste Wort des wahren Messias Jesu, das er Matth. 23, 23 zu den Pharisäern sprach, daß sie „verzehnten die Minze, Till und Kümmel und lassen dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben." Daß das „Lehrbuch" auch über die Sünde nicht die biblische Lehre enthalten kann, ergiebt sich schon aus dem bisher Angeführten. Zwar wird die Frage: „Was ist Sünde?" S. 63 dahin beantwortet: „Sünde ist jede Uebertretung eines göttlichen Gebotes (Unterlassungssünde) oder Verbotes (Begehungssünde), sie geschehe durch den Gedanken, durch das Wort oder durch die That." Aber wie stimmt damit die folgende Frage und Antwort überein: „Wodurch entsteht die Sünde? Sie entsteht entweder aus Unkenntniß und Jrrthum (unwissentliche Sünde), aus Heftigkeit der sinnlichen Begierden (Uebereilungssünde) oder aus Empörung und Trotz gegen den Willen Gottes (vorsätzliche Sünde)." —? Was der Verfasser bei der ersten Frage und Antwort aufstellt und zugiebt, daß man auch „durch den Gedanken" sündigen könne, das nimmt er bei der zweiten wieder zurück; denn sonst müßte er doch wenigstens „die Heftigkeit der sinnlichen Begierden" und die „Empörung, den Trotz gegen den Willen Gottes" auch schon als Sünde gelten lassen, und könnte nicht sagen, daß „die Sünde" erst „aus" dieser „Heftigkeit" u. s. w. entstehe. Was erst entsteht, das ist noch nicht da, und dasjenige, woraus Etwas entsteht ist noch nicht das später Entstandene. Diese Ansicht, daß „die sinnlichen Begierden, Empörung und Trotz gegen den Willen Gottes" noch keine Sünde seien, läßt sich wohl nur dadurch erklären, daß alle die uns angebornen Leidenschaften uns von Gott selbst anerschaffen und daher auch nicht als Sünde zu betrachten seien, eine Meinung, die auch wohl in andern Schriften gelehrt wird.