Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 21 (1865)
- Issue
- 1-2 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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thal ist frei und lebt mit seiner Frau und Kind in ihrer Nähe; sie sind noch Alle in dem königlichen Lager bei Gondar. Ich nebst Meiner lieben Frau und zwei Kindern bin in Gaffat, drei Tagereisen von ihnen, auch die zwei Missionare der schottischen Gesellschaft und zwei deutsche Jäger sind hier. Obgleich unsre Hände von den Ketten befreit sind, so sind wir doch noch Gefangene. Der Verkehr mit denen in Gondar ist, dem Herrn sei Dank, nicht abgeschnitten worden, und so bin ich im Stande gewesen, sie von hier aus mit Geld, Medizin u. s. w. zu versorgen, was eine große Wohlthat ist. In einem Briefe, den ich gestern von Rosenthal erhielt, schreibt derselbe unter Anderem: „„Unser Gesundheitszustand wechselt sehr, bisweilen sind wir Alle wohl, bisweilen mehr oder weniger leidend. Meine Frau litt lange Zeit an Diarrhoe, jetzt ist sie wieder wohl. Herr Stern litt eine Zeitlang an Dissenterie; er ist aber jetzt auch wieder wohl; ich selbst litt lange an einer Augenentzündung. Wenn wir die Regenzeit in solchen Zelten zubringen müssen, wovon wir bereits jetzt Alle die Wirkungen fühlen, so werden wir mehr oder weniger darunter erliegen; wir müssen uns aber in den Willen des Herrn ergeben."" Wir erwarten jetzt täglich einen Brief von der englischen Regierung; wissen aber nicht, was seine Folgen für uns sein werden; wir werden entweder befreit oder desto schwerer eingekerkert werden. Herr C. I., der mit mir hierher kam, erkrankte an der Dissenterie und starb an dieser Krankheit den 10. April. Nachdem er einen Monat lang gelitten hatte, ging er im Frieden heim und ein zu seines Herrn Freude. Wohl ihm, denn er ist erlöst von allem Uebel. Ich schließe diese wenigen Zeilen mit den Worten des 71. Psalms, und mit dem Wunsche, bald im Stande zu sein. Ihnen erfreulichere Nachrichten zu senden; denn die auf den Herrn harren, kriegen stets neue Kraft. Er verleihe uns Allen Kraft, den Leidenskelch mit kindlicher Unterwerfung und freudigem Glauben aus seiner Hand zu empfangen, und möge Er uns tüchtig machen zu sagen: der Herr hat Alles wohl gemacht; Ihm sei Preis und Dank. Möge der reiche Segen des Herrn auf Ihnen und allen geehrten Mitgliedern Ihrer Gesellschaft ruhen. In Ihm, der uns erlöset hat, verbleibe ich Ihr ergebener Diener __ F. M. Flad.