Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 11-12 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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193 Jemand überzeugt. Als z. B. vor einiger Zeit ein Minister das Judenthum verfolgungssüchtig nannte, welch ein Geschrei hat man da von allen Seiten erhoben! Eine solche Beschuldigung wurde für die schmählichste Lüge erklärt; rabbinische und Reformjuden behaupteten sogar, daß in den 4 Jahrtausenden des Bestehens des Judenthums sich nicht ein einziger Fall Nachweisen lasse, wo das Judenthum irgend Jemand um seines Glaubens willen verfolgt habe. Die allg. Z. d. I. gab nur zu, daß die Verurtheilung des Stifters der christlichen Religion das einzige Beispiel der Art sei. Ob aber Jemand eine solche Behauptung glauben kann, die nur durch ihre Frechheit merkwürdig ist, ist eine andre Sache. Denn daß die Juden um des Glaubens willen Verfolgung geübt haben, zeigt nicht bloß die Geschichte Jesu Christi, sondern auch die seiner Apostel und anderer Christen, zeigt namentlich auch die Geschichte des berüchtigten falschen Messias Bar Kochba, der, wie Biesenthal S. 57 seiner Kirchengeschichte sagt, auch die Christen aufforderte, Jesum Christum, den Quell des Lebens zu verlassen und ihm — dem Bar Kochba — nachzufolgen. Ererivartete den Anschluß der Christen um so zuversichtlicher, als auch sie gerechte Ursache hatten, die Römer Wegen der vielen Verfolgungen zu hassen. Doch diese, eingedenk der Vorschrift ihres Erlösers und ihrer Lehrer, der Obrigkeit untorthan zu sein, wiesen das Ansinnen des Bar Kochba mit Entschiedenheit zurück. Das erbitterte den B a r K o ch b a und seinen Anhang und in großen Massen fielen fie über die wehrlosen Christen her, mordeten und schlachteten, ohne daß jene in ihrem Bekenntniß wankend geworden wären. Wir wünschen in Wahrheit, daß ein „Band herzlichen Verständnisses und edler Vorurtheilslosigkeit" zwischen Juden und uns Christen bestehen möge; aber durch solche Artikel, die aller Geschichte Hohn sprechen, die „Ungeheuerlichkeiten" u. s. w. des Talmuds gradezu leugnen und die Christen aller Jahrhunderte zu Lügnern voll Haß stempeln, wird kein Band herzlichen Verständnisses geschaffen noch „gefestigt" werden. Solche auf Unwahrheit gegründeten und auf Täuschung berechneten Vorträge können nur dazu beitragen, das Bischen Verständniß und Liebe, was etwa vorhanden ist, zu ver- 13