Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 7-8 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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101 Erbe der Reformatoren stimme zu dem Wortlaut der Propheten nicht? Als Ketzer, als Abgefallene verschreit und brandmarket Ihr die, deren ganzer Sinn ist, die Schrift nicht zu brechen und ihr Recht nicht zu beugen, echt lutherisch dem Worte in allen Dingen beizufallen? Was sollen wir thun? In gleicher Weise antworten? Wir thun es nicht. Wir wollen Euch tragen, auch wenn Ihr uns nicht traget; wir wollen Euch lieben und für Euch beten, auch wenn wir, vom Wort nicht bloö gebunden, sondern auch erfreut und hoch gehoben, Euern Auslegungen keinen Geschmack abgewinnen können. Für unö giebt'S keine Wahl: wir müssen glauben, was wir lesen; unser Lohn ist, daß unö die Geschichte klar wird und wir im Dunkel der Welt UNS des Endes und der Lösung aller Dinge freuen können. Bei solchem Lohn verlohnt stch'S auch, etwas zu tragen." Der Messias, vorgebildet von David und Salomo. Während seit längerer Zeit in den jüd. Zeitschriften viele Klagen laut werden, und zwar mit vollem Rechte, daß der Materialismus so sehr um sich greife, je länger desto mehr die Gemüther einnehme und dieselben von der Religion abziehe, oder mit andern Worten, daß die Materie, die körperliche Substanz oder überhaupt das Irdische so stark in den Vordergrund tritt, daß der Mensch sich nur dem zuwendet, was er mit seinen Händen fassen, fühlen und greifen kann: giebt sich zu gleicher Zeit und ganz besonders auch in denselben Zeitschriften ein anderes, in mancher Beziehung grade entgegengesetztes Nebel kund, das darin besteht, alles dasjenige, was in der Religion derBibel alSwesenhaft, concret, substantiell, persönlich dargestellt wird und ist, so zu verflüchtigen, zu vergeistigen, zu idealisiren, daß zuletzt nichts übrig bleibt als ein Gedanke, eine leere Phantasie. Die Worte der heil. Schrift sind nicht mehr göttlichen Ursprungs, sondern nur eine gewisse Lehre, ein Sinn, ei» Gedanke, den man sich selber entwirft und bei dem man nach dem Worte der Schrift nicht mehr fragt; es wäre denn allenfalls das einzige Wort in dem ganze» alten Testament: Echod d. h. Eins, in dem Satze: „Höre, Israel, derHerr