Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 5-6 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554733-2554737--04125-2560044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nämlich, daß in die Provinz Tigra, durch die wir reisen mußten, ein rebellischer Anführer eingefallen sei, der mehrere Abhssinische Edelleute getödtet und den englischen Consul, der damals in Adowa war, genöthigt hätte, Sicherheit in der heiligen Stadt Aruma zu suchen. Da der Zustand der Dinge so ungewiß war, so blieb uns Nichts übrig, als auf künftige bessere Nachrichten zu warten. Da wir aber nach Verlauf zweier Monate Nichts aus Genda hörten, so beschlossen wir uns auf den Weg zu machen, vertrauend auf die Vorsehung Gottes zu unserm Schutze. Die Schwierigkeit aber war, woher wir Lebensmittel nehmen sollten, da wir für den größten Theil der Reise beinahe für sechzig Mann zu sorgen hatten. Das mag Europäern etwas Leichtes zu fein scheinen; doch wenn man weiß, daß die-Abysstnier den Reisenden weder Brot verkaufen, noch es ihnen umsonst darreichen, es sei denn, daß es ihnen von dem Könige befohlen wird, so wird man sehen, daß unsere Lage eine sehr schwierige war. Aber dies war nicht die alleinige Schwierigkeit. Nachdem wir fünf Tage, wo wir kein Dorf antrafen , unter ununterbrochenem Regen gereist waren —das Gebirge Aßmara, gegen SÜvll Fuß über der-Meeresfläche, bestiegen — gefährliche Abgründe paffirt hatten, von wilden Thieren umgeben und in beständiger Furcht vor bösen Menschen gewesen waren — traten uns neue Schwierigkeiten entgegen. Wir hatten erwartet, daß wir hier Träger unserer Sachen bekommen würden, aber eS waren keine zu finden. Die Thiere, welche wir zuerst gemiethet hatten, konnten wir für die weitere Reise nicht länger erhalten , weil eS im Innern des Landes nicht gebräuchlich ist-, sich der Thiere für Fortschaffung des Gepäcks zu bedienen. Das Einzige, was unS übrig blieb, war, daß wir dafür sorgten, daß unser Gepäck bis zum nächsten Dorfe gebracht wurde und daselbst die Träger mit anderen wechselten. Aus diesem Grunde wurden wir bisweilen zwei oder drei Tage in einem Dorfe aufgehalten, bis wir andere Leute bekommen konnten- und wenn wir einen Weg von einigen Stünden zurückgelegt hatten, wurden wir wieder wie vorher aufgehalten. Unter solch besonderen Schwierigkeiten langten wir endlich in Adowa, der Hauptstadt Tigra's an, was etwas weniger als der halbe Weg zwischen Maffowah und Gondar ist. Hier wollte uns