Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 3-4 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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SS scheinen mögen , betrachte ich doch als günstige Zeichen der Gesinnung deS AbunaS gegen uns, und ich bin überzeugt, daß wenn sich irgend ein unangenehmer Zufall ereignen sollte, dieser gefürchtete Primas den Schild seines geistlichen Ansehens über unsere Mission ausbreiten wird. Vor einigen Tagen schrieb ich an ihn, und wenn er es verlangt, so werde ich die lange und gefährliche Pilgerreise unternehmen müssen, so ungern ich es thue. Ehe ich diesen Brief schließe, will ich noch eine kurze Ueberstcht über unsere Mission geben; ich will einen Vorfall erzählen, der so recht deutlich die Macht des Evangeliums bei der Bekehrung der Sünder vor Augen stellt. Ein spanischer Rabbi aus Jerusalem, der mehre Jahre hindurch Umgang mit unseren Missionaren hatte, entschloß sich Handelsverbindungen mit Abyssinien anzuknüpfen um so sein Vermögen zu vergrößern. Seine kaufmännischen Spekulationen, die, wie ich glaube, seine gehegten Hoffnungen nicht verwirklichen werden, führten ihn, einige Tage nach unserer Ankunft, nach Maffowah. Während wir daselbst aufgehalten wurden, besuchte er mich sehr oft; unsere Unterhaltung, obschon sie nicht immer religiöse Gegenstände betraf, hatte doch stets eine ernste Richtung. Wir reisten einige Tage vorher ab, ehe er den Ort verlassen konnte. Auf unserer Reise trafen wir wieder zusammen und setzten dann dieselbe gemeinschaftlich fort. Seine vollkommene Kenntniß der hebräischen Schriften-und seine Liebe zum Talmud boten uns Stoff, uns manche langweilige Stunde zu vertreiben. Die Lehren des Reuen Testaments, die so ganz den Bedürfnissen des menschlichen Herzens entsprechen, und die ich mit den trivialen und nutzlosen Lehren der Rabbinen verglich, erweckten, ohne daß ich es merkte, ernste Betrachtungen in seinem Gemüthe, und wo wir immer Halt machten, war die hebräische Bibel in seiner Hand. Als wir uns Gondar näherten, drückte er oft sein Bedauern aus, daß wir uns trennen müßten, und daß er vielleicht auf lange Zeit mit Niemandem zusammen treffen werde, mit dem er über die wichtigen Gegenstände sprechen könne, welche ihm so viel Vergnügen und Freude bereitet hätten. Ich verwies ihn auf die heilige Schrift und sagte ihm, daß sie für den aufrichtigen Forscher nach der Wahrheit