Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 3-4 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2554733-2554736--04092-2560010- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
61 unbarmherzige Greuelthaten verübt. Früher wurden der unersättliche Ebrgeiz und die heftige Leidenschaft des Despoten etwas durch religiöse Scrupel und eine demüthige Hochachtung vor dem Worte Gottes gemäßigt. Die Armen und das Volk hielten ihn für ein höheres Wesen, das erwählt sei, dem blutenden und zerriffenen Reiche Frieden und Wohlstand wiederzugeben. Seine Geradheit und die fleckenlose Reinheit seines Lebens befestigte diesen allgemeinen Eindruck, und König Theodorus war der Abgott seiner Unterthanen und der unverwundbare Held seiner Truppen« Diesen Wahn hat seine jetzige Lebensweise verscheucht, und er wird klug thun, frühere Versehen wieder gut zu machen und frühere Jrrthümer zu vermeiden. Ich habe den Herrscher noch nicht gesehen, der sich jetzt an der Grenze Godjams aufhält; aber wahrscheinlich werde ich mit der Rückkehr meines Boten die Aufforderung erhalten ins Lager zu kommen. In neuerer Zeit hat er sich unserm Werke sehr freundlich gezeigt, und wenn der Herr unsere inbrünstigen Gebete für ihn erhört, so wird er auch bald wieder auf den Pfad eremplarischer Tugend zurückkehren, von dem er in so trauriger Weise abgewichen ist. Der Abuna oder Erzbischof, den ich so gern sehen möchte, ist wieder, wie bei meinem ersten Besuche, in Magdala, der Grenzstadt der Wollo Gallas. Seine Statthalter in Tigre, wo er große Besitzungen hat, bewiesen mir alle die freundlichste Aufnahme. In Gondar verweilte ich einige Tage im erzbischöflichen Palast. Abuna Joseph, der Beichtvater seiner Gnaden, der damals gerade in der Hauptstadt war, erzeigte mir die größte Gastfreundschaft. Ich betrachtete diesen Geistlichen immer als einen Gegner sowohl unserer selbst, als auch unserer Mission, aber seine unverdrossene Aufmerksamkeit für mich und meine Bedürfnisse haben alles Mißtrauen, das ich immer in meinem Herzen gegen ihn hegte, aus demselben entfernt. Der hohe Geistliche, sagte mir Muallim Daud, ein Kopte in Diensten des Erzbischofs, war ganz entrüstet darüber, daß dieEin- * wohner von Kubas Gabriel, dem Sitze des Abunas, nicht ebenso edel in ihrer Gastfreundschaft gegen mich gewesen seien, und befahl in seinem Zorne, daß der erzbischöfliche Stuhl aus der Kathedrale entfernt würde. Diese Zwischenfälle, wie geringfügig sie auch