Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 3-4 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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43 fernen Lande, sondern weinten, wenn sie an Zion gedachten? Gehet nicht durch Deine eigne Mitte die tiefsinnige Sage, daß Gott selbst täglich eine Stunde weine über sein Volk, das er zu eignem Schmerz verstreuen mußte auf weitem Erdenrunde? Darum .kehre wieder, Du abtrünnige Tochter Israel! Der Herr spricht auch heute: Tröstet, tröstet mein Volk; redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Missethat ist vergeben." Kannst Du, Israel, nicht die Zeichen Deines Gottes deuten? Mußt Du, Israel, nicht die Augen geflissentlich schließen, um nicht zu sehen, wie der Herr freundlich redet mit Jerusalem in unfern Tagen? Kommet nicht das Blut, das Du zum Fluche über Dich herabgerufen, jetzt als Blut der Erlösung über Deine Kinder? Wird der verborgene Gott noch immer nicht offenbar vor Deinen Augen? Siehest Du nicht, wie die Mauern Jerusalems auf's Neue erstehen und sich das Wort erfüllt: Deine Mauern sollen Heil und Deine Thore sollen Lob heißen? (Jes. 60, 18.) Oder willst Du den Fremden Deine Stadt überlassen und sollen der Heiden Könige über sie herrschen? Ist Dir vielleicht in der Verbannung zu weich gebettet, um noch Heimweh zu verspüren? Israel, gedenke Jerusalems im fremden Lande! Folge nicht, Zion, folge nicht der Welt, Die Dich suchet groß zu machen, Achte nicht ihr Gut und Geld, Nimm' nicht an das Bild des Drachen; Zion, wenn sie Dir viel Lust verspricht, Folge nicht! Israel, sprenge die Fesseln, die Du trägst! Kniee nicht nieder vor dem Götzen der Welt, gedenke des Rufes, der von Alters her an Dich ergangen ist! Werde wiederum volles, ausschließliches Eigenthum des Gottes, der Dich in Abraham erwählet hat. Siche, den Du verspottest und von Dir weisest, Er ist der Gott, der auch Dich erlösen will. Und wie seine Gnade mächtig geworden ist über Jerusalem und Er die Stadt, die Ihn von sich gestoßen, aufs Neue mit Augen der Liebe anschaut, so hat er auch ihre Söhne und Töchter in Seine durchgrabenen Hände gezeichnet.