Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 1-2 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554733-2554735--04048-2559965- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 müßte cs im Nachsatze auch sein und das Ganze lauten : ihr Menschen seid die Heerde, ich Gott bin euer Hirte. Ist aber Israel die Heerde, so ist der Gegensatz ohne die zweite Bezeichnung vollständig; denn,dann handelt es sich in diesem Vers nicht mehr um den Begriff Heerde, der im Vorhergehenden bereits erledigt ist, sondern nur darum: ihr Haus Israel, ihr meine Heerde seid Menschen, ich aber bin euer Gott. — Manche Erklärer scheinen das Unstatthafte und Gewaltsame eines solchen Sprunges von Israel zur ganzen Menschheit gefühlt zu haben, aber sie wollen wenigstens die Idee von der ganzen Menschheit nicht aufgeben und suchen daher beide Auffassungen hineinzubringcn. So sagt Gerlach zu der Stelle: „Nach dem Hebräischen wörtlich: Und ihr meine Heerde, die Heerde meiner Weide, Menschen seid ihr, ich bin euer Gott, spricht der Herr. Zunächst ist dies eine Deutung des Gleichnisses: nicht Schafe sind hier gemeint, sondern ihr, die ihr Menschen seid, euer Hirte ist euer Gott. Aber solche Deutung wäre nicht nöthig gewesen und der Herr würde sie nicht hinzugefügt haben, wenn er nicht unter dieser bescheidenen Form etwas Anderes hätte sagen wollen: 1. die Allgemeinheit der Gnade wird dadurch angedeutet, daß nicht Kinder Israel, sondern Menschen („„Adam"" Menschheit) als die Schafe der Heerde genannt werden: das Gleichniß greift über die engen Grenzen des Volkes Israel hinaus und gilt in ihnen den Mensche» überhaupt: das neue Paradies unter dem neuen David pflanzt der Herr nicht bloß für Israel, sondern, wie das erste Paradies, für die ganze Menschheit. 2. DieGrößederGnade wird dadurch fühlbar, daß Israel nicht mit dem ehrenvollen Namen genannt wird, der seine Gnadenwahl ausdrückt, sondern mit dem allgemeinen Namen „„Mensch,"" der an Erdenstaub, Sünde und Tod erinnert." Wenn Gerlach hier ad 1 behauptet, daß nicht Kinder Israel, sondern Menschen als die Schafe der Heerde genannt werden, so müssen wir nach dem bereits Gesagten dieser Behauptung geradezu widersprechen, denn das „Haus Israel" ist ja eben unmittelbar vorher genannt und dann heißt eö: „und ihr," also doch offenbar ihr Haus Israel seid u. s. w. Wenn aber wirklich, wie Gerlach sagt, nicht Kinder Israel, sondern Menschen, Menschheit als die Schafe der