Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 20 (1864)
- Issue
- 1-2 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554733-2554735--04039-2559956- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
9 zubreiten suchen, wenn sie auch nicht grave Missionäre aussenden? Der Grund ist aber nicht schwer einzusehen und darf nicht lange gesucht werden; denn es liegt auf der Hand, daß Juden von „verschiedenen Richtungen" und Freigemeindler in einem Punkte „alle einig sind," nämlich darin, das göttliche Ansehen der heiligen Schrift zu leugnen und sich eine Religion nach eigener Fa^on zu bilden. Aber sobald das Christenthum als biblische Religion dem heutigen sogenannten orthodoren und Cultur-Judenthum gegenübertritt, da ist das letztere geschwisterlich vereint zum Kampfe gegen das Erste. Es ist dies aber eine traurige Vereinigung, von der man auch sagen möchte, was 1. Mos. 49, 6 geschrieben steht: „Meine Seele komme nicht in ihren Rath, und meine Ehre sei nicht in ihrer Kirche." — Merkwürdig ist uns eher, daß die Juden „verschiedener Richtung" die christliche Misstonsthätigkeit unter den Heiden billigen und loben. Ein Artikel von Prof. vr. Jul. Oppert in Nr. 40 des „jüdischen Volksblattes" über die Juden von Bagdad enthält unter andern auch folgende Bemerkungen: „Die Juden in Bagdad sind nicht übergangen worden von einer jener unnützen Gesellschaften, die mehr Eifer und Geld hüben als praktischen Sinn und Erfolg. Ich meine die englische Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden. Sie rekrutirt sich namentlich unter den polnischen Juden, für die die Taufe die äußerste Zuflucht ist." Oppert führt im Folgenden auch eine Discussion an, welche die Juden in Bagdad mit einem Missionär gehabt haben sollen, in welcher sie zu demselben sagten: „Du sprichst uns immer von Jesus von Nazareth. Aber dieses ist nicht der den Juden versprochene Heiland; wäre er dies gewesen, so hätten wir uns alle bekehren müssen; nun er hat aber nur wenig bekehrt, denn wir sind heutzutage zahlreicher als in dem Lande unserer Väter. Außerdem soll der Messias am Ende der Tage kommen, und das Ende der Tage ist noch nicht nahe. Und warum denn hätten alle Juden, deren Halsstarrigkeit du anschuldigst, Gottes Sohn von sich gestoßen, wenn er gekommen wäre? Warum hätte sich das ganze Volk getäuscht? Es hätte dazu doch keinen Grund gehabt. Redet von Jesus dem Nazarener den Heiden, heißt sie ihren Götzendienst in Anbetung des Gottes Israels ändern, der Gott ist