Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 11-12 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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189 weniger sich durch einen Rausch in eine fröhliche Stimmung versetzt hatten. Sobald ich.mit den Meinen erschien, riefen sie: „Macht dem englischen Priester Platz." Hierauf wurde sogleich durch die gedrängte Menge ein enger Weg gemacht, um uns zu dem Ehren, platze durchzulassen, wo alle Rabbiner aufstanden und uns die Hand reichten und auf meine Bitte die Knaben, die dazu eingeübt waren, einen Theil der Liturgie, die bereits geendet hatte, noch einmal singen ließen. Beim Schluffe drückte ich meine Verwunderung über das aus, was ich gesehen hatte, insofern als der Rabbi, zu dessen Erinnerung sie den Tag feierlich begangen hätten, Ansichten hatte, die von denen der heutigen Juden sehr verschieden sind und zeigen, daß er in der That ein halber Christ war. Als sie das hörten, machten sie vor Erstaunen große Augen, und alle um mich herum fragten ängstlich: „Wie so?" Mehrere Tage hindurch war ich nun beschäftigt, ihnen diese meine Behauptung in meiner Wohnung zu beweisen, und sie mußten, obschon mit Widerstreben zugeben, daß Rabbi Simeon eine Dreiheit in der Einheit und die göttliche Natur des verheißenen Messias lehrte. In der letzten Woche bot sich mir wieder eine Gelegenheit dar, ihnen Gutes zu erzeigen und ihnen in ihren leiblichen Leiden dienlich zu sein. Seit Kurzem haben Krankheit und Unwohlsein, wahrscheinlich in Folge des ungewöhnlichen Wetters, das wir hier haben, eine große Ausdehnung erhalten. Die Ankunft eines protestantischen französischen Arztes, der einige Wochen in Tunis verweilen wollte, veranlaßte mich, ihn zu bitten, daß er mich in ihre Häuser begleiten und ihnen seinen ärztlichen Rath ertheilen möchte. Indem wir sie so von Haus zu Haus besuchten und ihnen umsonst Rath ertheilten und sie ebenso mit Medizcin versahen, linderten wir in hohem Maße ihre Schmerzen und Leiden. Die Wirkung dieses meines ausgedehnten Umganges mit ihnen äußert sich sehr deutlich in ihrem größeren Verlangen nach Neuen Testamenten und andern Schriften, welche ihnen die Wahrheit des Christenthums vor Augen stellen, und viele Beispiele sind zu meiner Kenntniß gekommen, wo das Lesen derselben eine entschiedene Veränderung in der Gesinnung gegen die Person und die Lehren unsers