Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 11-12 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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184 zu sehen. Herr Muraire wird oft an das Krankenbett gerufen und um Neue Testamente gebeten, und in einem Falle bestand man auf die Bezahlung desselben. Die Thatsache, daß die Zeit vom 17. des Monats Tamuz bis zum 9. des Monats Ab, wo am letzten Sonntage das Fasten zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems gehalten wurde, dies Jahr ernster.begangen ward als in früheren Jahren, was dem Glauben gewisser Chachams (Weisen) zugeschrieben werden muß, daß der Messtas am „Tische-be-Ab" (am 9.Ab) kommen werde, war eine andere Ursache, welche viele Juden von den Besuchen bei dem Missionar zurückhielten. Diese rabbinischen Weissagungen bringen häufig die entgegengesetzte Wirkung hervor. Aber es ereignet sich auch, daß sie, indem sie die Autorität der Rabbinen abwerfen, auch zugleich das Vertrauen zu dem geschriebenen Worte Gottes verlieren. Getäuscht von ihren Lehrer», die sie von ihrer Jugend aus gekannt und verehrt haben, mißtrauen sie nun Jedermann. Möge der Herr sich über Zion erbarmen und seine Absichten an seinem Volke vollziehen durch seinen heiligen Geist und durch die Macht seiner Gnade!" Diesem Berichte wird noch folgende Mittheilung hinzugefügt zur Erläuterung der großen Unwissenheit, die bei so vielen Juden in jenem Lande anzutreffen ist. Der Berichterstatter schreibt: „S — ein Jüngling zwischen 16 und 18 Jahren, der unsere Schule regelmäßig besucht, hat seit Kurzem eine Reihe von Lektionen bei mir zu nehmen angefangen. Seine erschreckliche Unwissenheit macht die Aufgabe, ihn zu unterrichten, schwieriger, aber auch angenehmer. Als ich ihn fragte, warum er am Tische-be-Ab gefastet hätte, antwortete er: „Weil die Araber die Juden tödten wollten, welche wunderbarer Weise diesem Unglücke dadurch entgingen, d§ß sie sich in einer Marmorsäule verbargen bis die Franzosen kamen." Da ich ihn über die wahre Ursache dieses Fastens belehrte und von der Belagerung Jerusalems sprach, unterbrach er mich und fragte: „Belagert! von wem, von den Franzosen oder von den Arabern?" Aber seine geringe Kenntniß wird von der Einfalt und Aufrichtigkeit seines Herzens bei weitem ausgewogen. Es find nicht die „Weisen und Klugen," die unser himmlisch^ Meister zu seinen Jüngern