Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 11-12 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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_183 _ Bahre vom Grabe zurück gebracht, so wird sie auch schon wieder in Anspruch genommen, während man in einiger Entfernung einen andern Leichnam zu seiner Ruhe tragen sieht. Der Wiedergeborne und Erneuerte — der, welcher im Lichte und der Erkenntniß Christi wandelt und immer von der Macht der Gnade beseelt wird, weiß, daß der Tod in den Sieg verschlungen ist und keine Macht mehr an ihn hat. Aber daö natürliche Herz, ob im Busen eines Juden oder Nichtjuden, blickt auf die Thore des Todes als den Eingang zu einem gräßlich finstern Ort, wo nichts ist als Jammer und Gram und Plage, Wuth und Verzweiflung und Zähneknirschen. Und wenn der Gedanke an das Erdulden des Schwefelfeuers in der „Gehenna" (Hölle) furchtbar ist, was kann da unerträglicher sein als der Gedanke an das Verbleiben in einer unseligen Ewigkeit? Mit solchen Gedanken läuft der in Jrrthum und Finsterniß versunkene Israelit, wenn Seuchen wie die gegenwärtige wüthen, anstatt durch fleißiges Lesen deS heiligen Wortes Gottes das Uebel von sich abzuwenden zu suchen, in Verwirrung und Schrecken umher, Zauberer und Talismane zu Rache ziehend, und nimmt dann seine Zuflucht zu der Synagoge und dem Kirchhofe, die Heiligen anrufend und die Vermittelung lebender Chachams (Weisen) sich erkaufend, welche so viel Psalmen und Mischnas (Abschnitte aus dem Talmude) lesen, als der Auftraggeber bezahlen kann. Keine Feder vermag die Scenen dieser Art zu beschreiben, von denen wir seit Kurzem Zeuge gewesen sind. Wenn man den von Schreck ergriffenen und unter solchen Eindrücken sich befindenden Juden anredet, so hört er wie mit betäubten Sinnen zu und erwiedert kein Wort. Dann und wann zeigen unsere scheinbar fruchtlosen Unterredungen ihre Wirkung, indem hier Einer und dort wieder ein Anderer Muth faßt, Trost für sein kummervolles Gemüth bei der rechten Quelle zu suchen. Aber beim Anblick eines andern Trauerzuges sieht man ihn wieder in den frühern Zustand der Furcht und Verlassenheit zurückfallen. Von solchen Fällen habe ich innerhalb wenigerWochen mehrere Beispiele erlebt. Herr und Frau Muraire treffen bei ihren Besuchen bei den Kranken, um ihnen Medizin zu bringen, täglich auf solche Fälle. Aber auch sie hatten die Freude, ihre Liebesarbeit bei sterbenden Juden mit Früchten gesegnet