Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1863-01-01 · 7-8 (1863) · page 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
19 (1863)
Issue
7-8 (1863)
Date
1863-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554725-2554730--03951-2559865
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

des oben erwähnten Streites über die Opfer dahin gerufen worden waren. Der Statthalter, welcher sich für nicht im Stande erklärt hatte, die Frage zu entscheiden, hatte beide Partheien nach Gondar berufen, weil daselbst sowohl viele gelehrte Christen, als auch Felaschas wären. Wir hatten gehofft, daß die Sache am Tage nach unserer Ankunft zur Untersuchung kommen würde, — aber der schlaue Statthalter, der die Gelegenheit so vieler versammelten Felaschas wahrnahm, ließ sie Lehm und Steine zum Baue eines Hauses Zusammentragen. Am Tage nachher, als wir uns vor seinem Hause versammelt hatten, kam er heraus und sah sehr vergnügt auS. „Ihr hättet keine bessere Zeit wählen können," sagte er, „ich danke Euch herzlich dafür, daß Ihr so viele Felaschas versammelt habt; mein Haus ist beinahe an einem Tage fertig geworden." Ehe wir nach Gondar gingen, hatten die Proselyten den Felaschas eine Frist von zehn Tagen bewilligt, während welcher sie Opfer bringen könnten; da diese Zeit verflossen war, sandten sie Boten in drei umliegende Provinzen, Dagusa, Atschafar und Alafa mit der Bitte an alle diejenigen, welche irgend eine Kenntniß mit dem Corid besäßen, sich in Gondar zu versammeln. Ungefähr 25V Felaschas waren vor dem Palaste des Statthalters erschienen. Bei den im Freien sich befindenden Gerichtshöfen Abyssiniens giebt es keinen Pedell, der die streitenden Partheien in Ruhe und Anstand hält, daher man sich denken kann, daß lauter Lärm die Luft erfüllte. Sie machten ihrem Aerger besonders gegen Beru Luft, den sie einen jungen Schwätzer nannten, der sich von einem Fremden hätte irre führen lassen. Sobald als er sich Gehör verschaffen konnte, redete er sie in einer so milden und ernsten Weise an, daß es seiner Rede nicht fehlen konnte, viele Herzen zu treffen. Als Beru geendet hatte, bat mich der Statthalter, daß ich als ihr Lehrer die Proselyten bewegen möchte, den Felaschas die fernere Darbringung ihrer Opfer zu gestatten. Hierauf antwortete ich: „Ich habe die Gesetze Ihres Landes nicht gegeben, ich habe die Herausforderung nicht ergehen lassen. Was Debterah Beru soeben über die Opfer gesagt hat, daß sie Vorbilder auf Christum, das Lamm Gottes sind, welches die Sünden der Welt trägt, daß die Opfer und Speisopfer aufgehört haben, seitdem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.