Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 7-8 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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p 115 ernste Gefühle für diese armen Seelen in mir hervor. Mein Herz war voll, ich ward ernstlich versucht, meinen Mund nach der Taufe aufzuthun und zu einer großen Menge von der Wahrheit zu reden, wie sie in Christo Jesu ist. Aber bei einer so kritischen Gelegenheit durfte ich eS nicht, da ich den Verlust der beschränkten Freiheit, die wir jetzt für unsere Proselyten haben, riskirt haben würde. Draußen auf dem Kirchhofe machten die Verwandten derer, die getauft werden sollten, ein solches Klagegeschrei, wie sie zu thun pflegen, wenn Jemand stirbt. Doch konnten wir ruhig unfern Weg nach Hause gehen. Einige van denen, die vorübergingen, machten die Bemerkung: „DieS ist ein unerhörtes Ereigniß in Abyssinien." Ich hatte am Sonnabend einen fetten Ochsen schlachten und ein Mahl bereiten lassen, woran sie Theil nahmen, denn sie hatten nach den Gebräuchen der abyssinischen Kirche seit dem letzten Abend gefastet. Den übrigen Tag verbrachten wir ruhig und beschlossen den letzten Theil deS Nachmittags mit einer Versammlung, bei welcher Herr Waldmayer, einer von den Deutschen, welche im Dienste der schottischen Gesellschaft stehen und der zufällig aus Gaffat hergekommen war, eine Ansprache über Röm. 12,1 —10 an sie hielt, wobei er ihnen zu Gemüthe führte, daß sie an Christo und seiner Lehre halten möchten, weil sie nun viele Anfechtungen von den tobten Christen, unter denen sie lebten, erwarten würden; daß sie einander lieben sollten, so daß Jedermann an ihrer Liebe erkennen möchte, daß sie wahre Jünger Christi seien u. s. w. Ich habe kaum nöthig zu sagen, daß viele von den Proselyten dem Haffe ihrer Verwandten und der andern Felaschas ausgesetzt sind. Gleich nach dem Tage der Taufe, als J'aasu bei mir im Leseunterrichte war, hatte sich sein Schwiegervater in dem Gebüsche in der Nähe seines Hauses versteckt. Da er sich vergewissert hatte, daß Niemand als seine Tochter zu Hause sei, so stürzte er mit einem großen Stocke in das Haus, und mißhandelte sein eigenes Kind auf das Schaamvollste. Ihr Geschrei rief einige Nachbarn herbei, die sie befreiten. J'aasu würde darauf bestanden haben, daß er wegen dieser Gewaltthat bestraft werde, wenn seine Frau nicht sowohl in 8*