Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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43 dann wäre es zu rühmen; aber solche königliche Demuth ist keine Eigenthümlichkeit unserer Zeit. Wo ist mehr eine häusliche Andacht, wo mehr ein religiöser Anschauungsunterricht, durch die lebendige That, die Religion den Kindern vor die Angen und ins Herz zu führen, zu finden? — Durch Gebetabkürzungen, Chorgesang und Orgelton, durch glänzende Architektur und kunstvolle Ornamentik wird dem Judenthume nicht aufgeholfen, wenn nicht Haus und Schule die Religion und gute Sitte pflegen. Es ist eine Ueber- Hebung der Cultusbeamten, wenn fle meinen, durch Predigt und neue Gebetordnung könnte das Judenthum regenerirt werden. Unser Judenthum ist in einDilemma gekeilt, zwischen die Scylla des Materialismus und die Charybdis der Blafirtheit; wo ist der Steuermann, der es in das richtige Fahrwasser leitet?" Die Frage wäre wohl nicht so schwer zu beantworten, wenn man nur von Seiten der Reform zu dem verachteten Bibelworte zurückkehren möchte; denn da läßt sich eine Stimme vernehmen, die ruft: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst, ich will dich mit meinen Augen leiten. Seid nicht wie Roß und Mäuler, die nicht verständig find." Ps. 32, 8. 9. — Es scheint, daß man hie und da ansängt, dies ebenfalls zu erkennen. Wir haben früher von den Bibel-Anstalten gesprochen, die sich innerhalb des JudenthumS, sowohl bei den Reformals bei den orthodoren Juden gebildet haben. Wiewohl diese Anstalten aus Neid und Feindschaft gegen die christlichen Missions- und Bibel-Gesellschaften hervorgingen, haben wir sie doch mit Freuden begrüßt, weil wir von der Verbreitung der Bibel nur Gutes erwarten können. Darum freuen wir uns auch jetzt zu hören, daß die Reformjuden wünschen, die Bibel möchte recht reichlich unter dem Volk verbreitet werden. So schreibt z. B. ein Correspondent der a. Z. d.J. in Nr. 22: „Jetzt, wo das Unternehmen, wohlfeile Tenachs herzustellen, als vollendet zu betrachten ist, rückt uns, dem jüdischen Publikum, unsere eigentliche Aufgabe drängend auf den Leib. Diese besteht darin ... unsere heiligen Schriften, mit einer guten, lesbaren, populären Uebersetzung versehen, recht massenhaft unter die Leute, zunächst unter die israelitischen Leute zu bringen." — Ein ähnliches ermunterndes Zeugniß lesen wir