Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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_42_ nöthigt werden. Das Gefühl des Bedürfnisses nach Etwas, was man noch nicht hat, und doch sucht und wünscht, spricht sich ja schon in. den verschiedenen Benennungen dieser Gemeinschaft aus: „Reform," „Cultur," „Entwickelung." Manche haben sich wohl vom Regiren wieder zum Positiven, d. h. von der Cultur zur Orthodoxie gewendet, und daher mag es auch kommen, daß die letztere meint, die Reform sei bereits von ihrem Höhepunkt herabgestürzt. — Ein solches Gefühl nach etwas Besserem ist es wohl auch, wenn Jemand in Nr. 42 d. a. Z. d. I. die Frage beantwortet: „Was gehört zu einer rechten israelitischen Gemeinde?" Der Verfasser stellt als Bedingungen auf: erstens „eine angemessene und zweckentsprechende Organisation der'Gemeinde;" zweitens ,-ein angemessener Gottesdienst;" drittens „wohlorganistrter Religionsunterricht;" viertens „die Anstellung tüchtiger CultuSbeamten und Lehrer;" fünftens „endlich die angemessene Organisirung der Wohlthätigkeitsanstalten." Man hört schon aus der Benennung „der Bedingungen," daß es sich bloß um Aeußeres, um „Organisiren" handelt. Man scheint zu fühlen, der Baum taugt nichts; da will man ihm Zweige geben, man will ihm Blätter, Blüthen und Früchte anhängen und anbinden und hofft dann einen stattlichen Baum zu bekommen. Der innere Schaden, der Unglaube wird unangetastet gelassen. Dabei ist der Verfasser voller Freude über „das fast aller Orten wieder erwachte Leben in den israelitischen Gemeinden." — Erfreulicher lautet schon eine Stimme aus Jebenhausen in Würtemberg, die sich in Nr. 41 also vernehmen läßt: „Die Synagogenrestaurationen sind jetzt bei uns ziemlich allgemein und mit ihnen geht die Reform des gottesdienstlichen Cultus Hand in Hand. Ob aber mehr religiöser Sinn und jüdisches Gefühl in die restaurirten Bethallen einziehen wird, ist eine Frage, die die nächste Zukunft lösen wird. Es dürfte sich Jedem, der die Zeitrichtung näher beobachtet, die Befürchtung aufdrängen, daß nicht das gesteigerte religiöse Interesse, sondern der Hang nach glänzender Repräsentation nach Außen, architektonischen Prunk an den Gotteshäusern liebt. Wäre es die Davidische Bescheidenheit, die nicht im Cedernhause wohnen und die Bundeslade unter Teppichen weilen lassen wollte,